| 5. Oldtimerrallye Droga Kaszubska / Polen |
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aus bma 4/12 - Oldtimerrallye, 5. „Droga Kaszubska” in Jastrzebia Gora Text und Fotos: Michael Przibilski
Vereint gingen wir gemeinsam die restlichen 330 km an. Auf der polnischen Seite lief es nur schleppend. LKW an LKW, teilweise schlechte Straßen, fehlende Autobahnen, zahlreiche Ampeln. Wir nahmen es gelassen hin und erfreuten uns an der Landschaft, die wunderschön im geruhsamen Tempo an uns entlangzog. Nach gut sieben Stunden Fahrt erreichten wir um 19:30 Uhr unser Hotel in Jastrzebia Gora. Die Eröffnung der Veranstaltung und den Vortrag über die Marken Vincent und HRD hatten wir leider verpasst, glücklicherweise langte es zeitlich noch für das Abendessen. Zuvor durften wir aber die traditionelle kaszubische Begrüßung erleben: einmal etwas Schnupftabak in die Nase geschnüffelt und danach einen selbstgebrannten Schnaps für eine Rachenspülung. Eine witzige Traditon, wenn es denn tatsächlich eine ist?! Nach dieser netten und herzlichen Begrüßung, es war mittlerweile nach 20 Uhr, gingen wir schnellen Schrittes in den Speiseraum, zum Abendessen.
Langsam schoben wir unsere Schmuckstücke in den Parc Fermé. Jedes Herstellerland hatte hier seinen eigenen Bereich. Links standen die russischen und polnischen Youngtimer, in der Mitte die westlichen Youngtimer, rechts parkten die Engländer, dahinter alle deutschen Modelle, und zum Schluss die polnischen Oldtimermotorräder. Zum Gucken und Vergleichen eine tolle Idee! Wir stellten unsere Maschinen wie vorgegeben in die einzelnen Bereiche ab, und sofort waren wir von einer Traube junger, wissbegieriger Polen umringt. Fotoapparate klickten derart um die Wette, als gäbe es für die kommenden Tage keine weiteren Motorräder mehr zu sehen. {dybanners}13,,,{/dybanners}
Am Lagerfeuer tranken wir dann noch den einen oder anderen Schnaps, der „Tradition“ wegen und fachsimpelten mit den Leuten. Die große Überraschung der Rallye war deren Durchschnittsalter. Mit meinen 43 Jahren zählte ich zu den alten Hasen! Die Mehrheit war um die 25 Jahre jung. Einfach unglaublich. Woher diese Begeisterung der polnischen Jugend für die alte Technik kommt (?), ich vergaß es zu fragen. Jedenfalls klang unser erster Abend in netter Gesellschaft aus. Samstag früh, 7 Uhr. Ein klarer Himmel und 20 Grad versprachen einen Fahrgenuss erster Güte. Ich durchschritt die mittlerweile gefüllten Reihen an Motorrädern. Insbesondere die große Anzahl an Fahrzeugen aus polnischer Produktion war für mich faszinierend. Sokol und Junak kannte ich schon vorher, aber Marken wie WFM oder SFM zum Beispiel kannte ich noch nicht. Ich zählte an diesem Morgen sieben Motorräder der Marke SOKOL!
Eine geschlossene Schranke vereitelte den Plan von drei einzelnen Gruppen, sodass alle Teilnehmer gemeinsam warteten. Zusammen konnten wir unsere Fahrt fortsetzen und die erste Station auf der Halbinsel Hel anlaufen. Auf dem Weg nach Kuznica schauten wir immer wieder gespannt nach rechts auf die Ostsee. Auf dem Wasser tummelten sich mehr Kite-Surfer als Wellen! Das sich deren Seile nicht vertüterten, war ein Wunder. Wir parkten unsere Motorräder direkt am Strand von Kuznica, legten unsere Lederjacken und Helme auf den Sätteln ab und folgten Marcin und seiner Frau Daria, unserer Dolmetscherin, zu Fuß auf die andere Seite der Halbinsel. Nur etwa 200 m misst das Land an dieser Stelle. Es dauerte also nur wenige Minuten, dann hatten wir den Strand erreicht. Mitten auf dem Strand erwartete uns der Vater von Daria mit ein paar Flaschen selbst hergestellten Sekt. Jeder Teilnehmer erhielt ein Glas mit einem winzigen Schluck darin, zur Erinnerung: in Polen gilt die 0,0 Promillegrenze. Nach dem allgemeinen Zuprosten stellten wir uns zu einem Gruppenfoto auf und gingen dann wieder zu unseren Motorrädern. Weiter führte uns die geplante Route in Richtung Hel. Mitten im Wald auf einer kurvenreichen Passage stoppten wir wieder und bogen in die Einfahrt zum Militärmuseum ein. Rund um die alten deutschen Geschützstellungen wurden zahlreiche Militärgegenstände sowie geborgene U-Boot-Teile zusammengetragen und ausgestellt. Nach gut einer Stunde Besichtigung fuhren wir weiter nach Hel. Im Hafen aßen wir lecker zu Mittag und relaxten am Strand.
Pünktlich um 14.30 Uhr standen wir dann mit unseren schmucken Oldtimern im Fischerhafen von Jastarnia Góra. Hier konnten wir dank der farbenfrohen Fischerboote noch mehr maritimen Charme und Flair genießen. Die Boote selber hatten an diesem Tag eine Protestbeflaggung aufgezogen. Protestiert wurde gegen die EU-Fangquoten.
Alle Teilnehmer kauften sich in der Zwischenzeit für umgerechnet einen Euro ein Los für die Tombola. Gegen 16 Uhr fuhren wir dann zurück zum Hotel. Ein Großteil der Teilnehmer erwartete schon sehnsüchtig den Beginn der „Funny Games“. Ein Wettbewerb ähnlich den bayerischen Oktoberfest-Wettkämpfen. Nagel in einen Baumstamm hämmern, golfen oder mit einer Speiche eine Fahrradfelge eine bestimmte Wegstrecke vor sich hertreiben, auf Zeit natürlich. Herrlich, den Leuten hatte es gefallen. Zwei Oldtimerfreunde waren leider nicht so fröhlich. Einer sammelte die Scherben seines zerbröselten Ventildeckels ein. Es war die Folge eines Umfallers, zum Glück für den jungen Fahrer gibt es für die Vorkriegs BMW R 51 wieder neue Zylinderkopfdeckel zu kaufen. Und ein Triumph-Fahrer schraubte ein wenig an seiner Fußrastenanlage herum. Der Festabend begann unmittelbar nach dem Abendessen. In dieser lockeren Runde wurden zahlreich schöne Preise verteilt und Ehrungen vorgenommen. Richard erhielt den Preis für die weiteste Anreise, ich durfte den Pokal für den „Eleganz-Wettbewerb“ in Empfang nehmen. Auch erhielten wir ausländischen Teilnehmer nette Erinnerungsgeschenke überreicht. Wie schon den Abend zuvor, unterhielten wir uns anschließend ausgiebig mit unseren polnischen Freunden.
Genauso herzlich wie wir empfangen wurden, war auch die Verabschiedung. Etwas traurig verabschiedeten wir uns von unseren polnischen und deutschen Freunden, mussten wir doch am Montag wieder pünktlich im Büro sein. Alle anderen bereiteten sich auf den Rallyestart nach Gdynia vor, und wir machten uns auf den Weg in die Heimat. Zuvor taten wir ausdrücklich den Wunsch kund, im kommenden Jahr wieder an der „Droga Kaszubia“ teilnehmen zu wollen! Informationen: www.drogakaszubska.pl www.ostsee-urlaub-polen.de/kaschubien/hel-hela.htm www.helmuzeum.pl Reisetipp: Sollten Sie ebenfalls eine Reise mit Ihrem Oldtimer nach Polen planen, so führen Sie unbedingt Ihre grüne Versicherungskarte Ihres Versicherers mit, bei mit einem Sammlerkennzeichen zugelassenen Fahrzeugen empfehle ich vorsorglich einen Hinweiszettel für die polnische Polizei. Diese können Sie sich von der Homepage der Initiative Kulturgut Mobilität www.kulturgut-mobilitaet.de herunterladen. In Polen müssen Sie auch am Tage mit eingeschaltetem Licht fahren, denken Sie bitte stets daran. --- {dybanners}14,,,{/dybanners} {dybanners}15,,,{/dybanners}
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