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Intermot 2010 Drucken E-Mail

aus bma 11/10 - Nachbericht

von Marcus Lacroix

BMW K 1600 GTL - Intermot 2010Intermot 2010 - Anfang Oktober traf sich die Motorradszene wieder in Köln, zum Tanz um das goldene Kalb, der alle zwei Jahre dort stattfindet. Selbstverständlich lungerten auch wir dort herum und ließen das ganze Spektakel zwei Tage lang auf uns wirken. Die Ausgangslage war (und ist) nicht rosig, denn nicht nur die wirtschaftliche Situation im Motorradbereich ist nach wie vor angespannt sondern auch die Messe in Mailand - die EICMA, die im November ihre Tore öffnet - verlangt von vielen Herstellern geteilte Aufmerksamkeit. In so fern wurde so manche Pressekonferenz auf der Intermot nicht nur zu einer Präsentation der mehr oder weniger neuen Modelle, sondern gab auch einen vagen Einblick in die Befindlichkeiten hinter die Kulissen.

Fangen wir mir BMW an: Heimspiel -Deutschland gegen den Rest der Welt, klar! Erwartet wurde der schon länger in der Presse als Erlkönig gesichtete 6-Zylinder Supertourer und BMW enttäuschte die Erwartungen der reichlich anwesenden Journalisten-Meute nicht. Heller, freundlicher moderner Stand, etwas Statistik-blabla, eine zukunftsorientierte ambitionierte Ansprache und dann wurde die K 1600 als GT und GTL Variante enthüllt. Heftiges Gerät mit üppiger Ausstattung, optisch sehr ansprechend, was man bei BMW ja auch schon anders erlebt hat. Dekoriert wurde die K mit hübschen Mädels, die auch bei allen anderen Herstellern mehr oder weniger reichlich vertreten waren. Wenn sonst nichts geht: Sex sells! Da als Objektivträger größtenteils Männer anwesend waren, hatten wir keine ernsthaften Einwände. Husqvarna, von BMW ja eingemeindet, war standmäßig nahezu in die BMW-Welt integriert und servierte schicke neue Crosser und SuperMoto Modelle.

Triumph Speed Triple 2011 - Intermot 2010Bleiben wir in Europa und schauen auf die Insel, die britische. Die ebenso perfekt per Erlkönig-Fotos und PR-Appetizer-Häppchen lancierte Dreizylinder Enduro glänzte durch Abwesenheit - Mist, die Eicma lässt grüßen! Dafür standen ein paar neue, eher weniger beachtete Cruiser-Varianten wie die Thunderbird Storm mit Doppelscheinwerfern in Köln und mit viel Qualm und einer guter Show wurde die neue Speed Triple 1050 enthüllt. Deren neue Front wird sicherlich für reichlich Diskussionsstoff in der Szene sorgen, technisch gibt es aber sicherlich wenig bis gar nichts daran zu kritteln. Konsequente Weiterentwicklung des Erfolgsmodells, well done!



Suzuki GSR 750 - Intermot 2010Von Moto Guzzi hatten wir uns insgeheim eine etwas aufgebohrte Version des V7 Cafe Racers gewünscht. Die gab es leider nicht, dafür die V7 Cafe als Variante „Racer” mit netten Design-Accessoires. Setzen wir unsere Hoffnungen auf Mailand. Mehr Druck bietet dafür ganz sicher die Aprilia Dorsoduro 1200. 130 Pferde werden im neuen V2 galoppieren und optisch ähnelt sie sehr stark der bereits bekannten 750er Variante. Traktionskontrolle und ABS unterstützen den Reiter auf Wunsch.

Ducati servierte zur Pressekonferenz reichlich Kölsch, Sekt und Wein. Das war auch gut so, denn nur so konnte die langsam ermüdende Journalistenschar bei Laune gehalten werden. Unglaublich langatmig, öde und auf englisch wurden die 2011er Neuerungen durchgekaut. Das dabei in Köln keine echten Knaller wie die äußerst wahrscheinlich kommende Desmo-Max aus dem Hut gezaubert wurden, war klar - Stichworte Eicma und Heimspiel. Immerhin, 1198 SP und 848 Evo werden Sportfans erfreuen. Und die Ansage, dass Ducati es geschafft hat schwarze Motorräder noch schwärzer zu machen war schon cool. Die mattschwarze 848 Evo war dann auch entsprechend schwer abzulichten - der reinste Stealth-Racer.

Kawasaki Z 1000 SX - Intermot 2010Richtig ambitioniert präsentierte sich KTM. So gab es nicht nur neue Crosser und Supermotos für kleine und große Sportler. Für viele unerwartet und ein echtes Highlight war die 125er Duke. Sehr schön und hipp gemacht möchte sie unseren Nachwuchs ansprechen. Unter 4 Riesen soll sie kosten und mit Mama & Papas Hilfe steht das Gerät hoffentlich bald in vielen Young­ster-Garagen. Außerdem gibt es die RC 8R Track als reines Sportgerät, ausgestattet nach dem FIM Superstock Reglement und in einer anderen Halle fanden sich noch ein KTM Elektro-Crosser und interessante akkugetriebene RC8 aus dem eGrandPrix TTXGP.

Diverse sehr interessante kleine 125er Motorräder für den Nachwuchs gab es unter anderem an den Ständen von Derbi, MH, Kreidler und Hercules.

Horex zeigte in Köln die nicht fahrbereite Vorserienversion der VR6, die Ende 2011 für rund 20.000 Euro zu haben sein soll. Vertragshändler werden noch gesucht.

Kawasaki W 800 - Intermot 2010America, hauptsächlich durch Harley-Davidson und Victory vertreten, setzte sich gut in Szene. Bei H-D sind ab Jahrgang 2011 alle Modelle, außer der Cross Bones, mit ABS ausgestattet. Die Elektra Glide ist wieder da, die Sportster Super Low bringt einem der Fahrbahn noch näher und die Road Glide Ultra verwöhnt als Full Dresser Tourenfans. Das umfangreiche Programm an Customteilen und Accessoires schuf am Stand eine rundum H-D-Wohlfühlatmos­phäre. Victory baut seine schicke V2-Palette aus. Neu mit dabei sind die Victory Cross Roads und die Victory Cross Country mit Halbverkleidung. Die anderen Modelle erfuhren diverse Modellpflegemaßnahmen.

Kommen wir somit endlich zu den vier großen Japanern. Die Gegensätze, mit denen Nippons Söhne sich in Köln präsentierten, könnten größer kaum sein. Fangen wir mit Kawasaki an: die Jungs & Mädels dürfen sich getrost das Prädikat „Beste PR-Show 2010” ans Revers heften. Die fünf neuen Modelle VN 1700 Voyager Custom, Z 750 R, Z 1000 SX, ZX 10R und W 800 wurden mit dermaßen viel Elan in Szene gesetzt, dass man sich jetzt schon auf die ersten Probefahrten freut. Rassige Frauen (statt niedlicher Mädchen) in schwarzem Lack, knallige Beats, kurzweilige Multimedia - so macht Motorrad Spaß!

Yamaha chicks - Intermot 2010Im krassen Gegensatz dazu langweilte Yamaha die Journalisten mit einer trockenen Rede, in deren Anschluss leise Fahrstuhlmusik das Ende der Versammlung einleitete. Betretene Gesichter reihum. Schade, denn nach der sportlich doch erfolgreichen Saison hätte etwas mehr Elan und Pepp nicht geschadet. So gab es die Super Tenere und andere Modelle in neuen Farbvarianten und mit leichten Überarbeitungen, zwei Cruiser haben jetzt eine Kombibremse, die 660er Tenere gibt’s auch mit ABS, die FZ8 und FZ1 dafür etwas billiger auch ohne. Immerhin durfte man sich Lorenzos MotoGP Boliden mal aus der Nähe ansehen und ein kleines Elektrorollerchen für die City schaut zaghaft in die Zukunft.



Suzuki wirft die schicke nackte GSR 750 auf den Markt, die sich wohl direkt mit Yamahas FZ8 kabbeln wird. Be­feuert vom modifizierten GSX-R Triebwerk dürften leistungsmäßig keine Wünsche offen bleiben. Gleiches gilt sicher für die neuen GSX-R 600 und 750. Neun respektive acht Kilogramm weniger und di­ver­se Modifikationen machen die beiden Sportler fit für 2011. Interessant auch bei Suzuki eine E-Bike Studie.

Honda - Intermot 2010Veräppelt fühlten sich so einige Journalisten dann bei der Pressekonferenz von Honda. Auf dem wirklich schön gemachten Stand in der viel zu düsteren Halle 10 gab es in einer deutlich zu kleinen Ecke eine halbstündige Ansprache die darin gipfelte, dass Honda in Köln zwar ein paar neue Farben, auf der Eicma aber acht neue Modelle präsentieren würde. „Zeitverschwendung” war eine der netteren Umschreibungen, die manche Kollegen dafür fanden. Da fragt man sich, ob Honda den deutschen Markt abgeschrieben hat oder ob die Eicma mit besseren Konditionen für die Exklusivität gelockt hat. Das man sehr gut auf beiden Hochzeiten tanzen kann, hatte Triumph ja gezeigt.

Auf großes Besucherinteresse stieß das Sonderthema e-Motion in der Halle 5. Elektromobilität hält unaufhaltsam Einzug in unser Leben. Motorradmäßig geht da zwar noch nicht viel, der Infostand des eGrandPrix (www.egrandprix.com) wies aber in die Richtung und zeigte mehrere Rennmaschinen. Probleme machen dabei leider nach wie vor die Akkus. Praxisgerechte Elektro-Roller und -Fahrräder gibt es hingegen schon recht viele und auf dem Außengelände konnte man sie auch ausprobieren. Der Knaller war sicher die unglaublich schöne Kleinserien-Maschine „Blacktrail” des deutschen Herstellers PG-Bikes (www.pg-bikes.com). Carbon ohne Ende, per Software als Fahrrad, Moped oder Motorrad drosselbar und optisch wie handwerklich zum Niederknien. 59.500 Euro schütteln wir dafür doch gerne aus dem Ärmel. BMW zeigte die Studie des damals missverstandenen C1 Rollers als E-Version. Eine echte Chance für das Konzept, denn der Markt für Elektrofahrzeuge wird laufend interessanter.

Silly-Helmets - Intermot 2010Natürlich gab es noch viel mehr auf der Intermot zu sehen und bestaunen. Auf dem Außengelände gab es vielfältige Shows und Mitmach-Aktionen. Rund 100 Umbauten von Scootern über Fighter bis zu Bobbern begeisterten im Rahmen der Cologne Custom Championship in Halle 10.1. Die Gewinner der Besucherwahl greifen nicht nur Pokale ab, sondern erhalten zusätzlich eine Einladung zur CUSTOMBIKE 2010 in Bad Salzuflen. Eine unabhängige Expertenjury kürte die Motorrad-Schmiede „Bike Farm“ zum Sieger „Best of Show” der Cologne Custom Championship, die sich so direkt für die Customizing Weltmeisterschaft in Sturgis/USA qualifizierte.

Alles in allem war die Intermot 2010 trotz der Marktlage und der anstehenden Eicma eine super Show und der Eintrittspreis mit 14 Euro für ein Tagesticket geradezu lächerlich gering. Wir freuen uns schon auf 2012!

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