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| Schwarzmeer-Tour / Donau-Delta |
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aus bma 11/10 von Heinz-W. Detering Geschafft! Wir sind in der Ukraine, die Grenzformalitäten waren in weniger als 2 Stunden erledigt.
Nachdem wir uns an der ersten Tankstelle, nach der ukrainischen Grenze mit etwas Bargeld versorgt haben, fahren wir auf der E 50 in Richtung Lwiw (Lehmberg). Imposante Kirchen mit Zwiebeltürmen und riesige Ackerflächen säumen unseren Weg. Die Hauptstraßen sind gut ausgebaut, der Straßenrand weist allerdings einige Löcher auf, die problemlos eine vollbepackte Africa Twin verschlucken können. In der Innenstadt von Ternopil haben wir zum ersten mal das „Wörterbuch ohne Wörter“ (Langenscheidt) bei der Bestellung unseres Abendessens erfolgreich eingesetzt. Mit diesem Wörterbuch sind auftretende Sprachbarrieren gut zu meistern, es enthält Abbildungen für alle Lebenslagen. Selbst sehr zurückhaltenden Ukrainern können wir mit diesem Buch ein Lächeln entlocken. Die Nacht verbringen wir in einem neuen Hotel am Stadtrand. Unsere Motorräder haben wir nach genauen Angaben der Hotel-Security zentimetergenau vor der Rezeption eingeparkt. Die Nachtschicht - 120 kg reine Muskeln - versichert uns, die Africa Twins nicht aus den Augen zu lassen. Nach gutem Bier und einem erfolgreichen Europameisterschaftsspiel Deutschland – Polen schlafen wir schnell ein, nichtsahnend von den Überraschungen, die der nächste Tag für uns bereithält. Bei strahlendem Sonnenschein fahren wir am nächsten Morgen gut gelaunt vom Hotelparkplatz. Nach 500 Metern gabelte sich die Straße. Da wir noch etwas Mühe haben die Hinweisschilder in kyrillischer Schrift zu entziffern, wechseln wir kurz vor der Gabelung nochmals die Fahrbahn. Hinter der nächsten Hecke zeigt man uns die Kelle! Polizeikontrolle.
Während der nächsten 100 Kilometer werden wir noch weitere viermal unter fadenscheinigen Begründungen gestoppt. In der Ukraine wird man frühzeitig von anderen Verkehrsteilnehmern vor Polizeikontrollen gewarnt. Selbst 20 Stundenkilometer unter der erlaubten Höchstgeschwindigkeit ersparen einem nicht den Vorwurf des zu schnell Fahrens. Wir haben gute Erfahrungen damit gemacht, die Vorwürfe freundlich aber bestimmt zu bestreiten und die Sprache nicht zu verstehen. Diese Vorgehensweise spart Geld, kann aber im Einzelfall bis zu 45 Minuten dauern. Wir treffen einen tschechischen Biker, der mit der Polizei auf russisch verhandelt hat und ein vielfaches unserer „Strafgelder“ bezahlt hat. In Uman wechseln wir auf die E95 in Richtung Odessa. Kilometerlange Kornfelder, geschmückt mit tausenden von roten Mohnblumen, säumen unseren Weg. Leider können wir die Fahrt nicht so richtig genießen, wir haben immer ein Auge auf die allgegenwärtige Staatsmacht und deren „Spendenaktionen“. Zu unserer Freunde waren diese nur auf die eine Region begrenzt. Ca. 100 km vor Odessa suchen wir uns einen Übernachtungsplatz. Einem Feldweg folgend finden wir auf einer Anhöhe direkt neben einem Sonnenblumenfeld einen geeigneten Platz für unser Zelt. Bei Nudeln mit Käsesoße und russischem Bier genießen wir den Sonnenuntergang. Am nächsten sonnigen Morgen erreichen wir Odessa. Ein imposantes Ortsschild empfängt uns. Diese Stadt wurde im Jahre 1794 auf Anweisung von Katharina der Großen angelegt, um einen leistungsfähigen Militärhafen für den Schwarzmeer- und Mittelmeerraum zu haben. Heute leben in Odessa eine Million Einwohner. Vierspurig führt die E95 in die Stadt, laut unserem Stadtplan müssen wir immer geradeaus und mit wenigen rechts-links Kombinationen sollen wir unser Ziel die „Potemkinsche Treppe“ erreicht haben. Dem ist wie so oft nicht so, sehr starker Verkehr, keine Straßenschilder und schon haben wir die Orientierung verloren. Trotz der Hilfe eines sehr netten Ukrainers „irren“ wir noch zwei weitere Stunden umher, bis wir die 167 Jahre alte, 142 Meter lange und 192 Stufen hohe Sehenswürdigkeit erreicht haben. Bei einem leckeren Eis müssen wir uns erst einmal erholen. In Odessa wird sehr aggressiv gefahren, die Odessiten haben eine Vorliebe für große Geländewagen deutscher Herkunft, in diesen wird mit über 100 km/h durch den Stadtverkehr gerast. Dass während unseres Aufenthaltes „Odessas Next-Topmodells“ Ausgang hatten, hat unsere Konzentration ebenfalls sehr stark gefordert.
Von Odessa fahren wir entlang der Schwarzmeerküste in Richtung Moldavien / Rumänien. Wir durchqueren kleine Bauerndörfer, in manchen gibt es noch kein fließendes Wasser, Pferdefuhrwerke stehen vor den kleinen, meisten hellblau gestrichenen Häusern. Was für eine krasser Gegensatz zu Odessa, doch der sogenannte Fortschritt zeigt sich auch hier, wir sehen Jugendliche, die topmodern gekleidet, mit MP3-Playern ausgerüstet, auf dem Pferdewagen ihrer Eltern fahren. Es herrscht wenig Verkehr, warmer Wind weht durch das offene Visier, in flotter Fahrt fahren wir über Izmail in Richtung Donau. Bei der Fahrt durch eine Seenlandschaft sehen wir sie – Pelikane in freier Wildbahn. Unser nächstes Ziel, das Donaudelta kündigt sich an. Da es in diesem Gebiet keinen direkten Grenzübergang nach Rumänien gibt, müssen wir über Moldavien fahren. Die Ausreise aus der Ukraine gestaltete sich problemlos. Überrascht sind wir vom freundlichen Verhalten der moldavischen Grenzer. In einem Gemisch aus Deutsch und Englisch werden wir begrüßt, die Kontrolle ist gründlich und mit drei Dollar Transitgebühr dürfen wir die ca. drei Kilometer lange Strecke befahren. Am Abend erreichen wir die rumänische Industriestadt Galati. Mit Hilfe eines sehr freundlichen rumänischen Transalp-Fahrers finden wir Quartier in einer kleinen Pension am Stadtrand. Bei Sonnenschein brechen wir am nächsten Morgen in Richtung Donau-Delta auf.
Unser Ziel ist die Durchquerung des Deltas entlang des Sulina-Arms bis zur 80 km entfernten Schwarzmeerstadt Sulina. Auf unsere Karte ist ein sehr dünner Strich – Straße/Weg- eingezeichnet! Nach längerem Suchen entdeckten wir im Dorf Nufaru die Zufahrt zur Fähre über den Sulina-Arm. Nach der Fahrt durch einen kleinen sandigen Hohlweg befinden wir uns am Fähranleger. Die Fährmänner sitzen in einer nahen Kneipe und diskutieren bei Bier und Schnaps die Probleme der Welt. Der Fahrplan richtet sich hier nach dem Stand der Diskussionen. Die Nachfrage bei einem weiteren Fährpassagier ergibt, dass Sulina ausschließlich per Schiff zu erreichen ist. Lediglich ein Feldweg führt zu dem nächsten Ort, die weiteren Orte, jeweils 10 Kilometer voneinander entfernt, sind nur über „Land“ erreichbar. „Land“ bedeutet im Donau-Delta, man muss sich seinen Weg suchen. Diese Herausforderung nehmen wir gerne an. Bei hochsommerlichen Temperaturen starten wir. Der Feldweg führt vorbei an üppiger Vegetation in sumpfiger Umgebung, nur 13% der Delta-Oberfläche sind trocken. Große Insektenschwärme kreuzen unseren Weg, verschiedene Exemplare verirren sich leider auch in unseren Atemwegen. Der erste Ort, Partizani besteht aus wenigen kleinen Häusern und vielen Gänsen, Enten und Hühnern. Störche nisten auf den Strommasten. Bei einer Rast sehen wir eine Wasserschlange, die sich S-förmig aus dem Wasser erhebt um Beute zu jagen.
Für den nächsten Morgen hat unser Herbergsvater eine Bootsfahrt durchs Delta organisiert. Wir werden von einem kleinen Motorboot abgeholt und fahren in die fantastische Welt des Donau-Deltas. Glasklares Wasser, am Ufer urwüchsige Wälder, Reiher, Kormorane, Meerschwalben, Schwäne, Enten und viele, viele weitere Vogelarten. Plötzlich über uns – Pelikane – nach der nächsten Flussbiegung ein ganzer Schwarm, 80 - 100 dieser imposanten Tiere schwimmen direkt vor uns. Der Bootsmotor wird ausgeschaltet, wir treiben ganz nah heran. Der Anblick und die Geräusche dieser vielen Tiere, nur wir und diese unberührte Natur, ein einmaliges Erlebnis. Wir verlassen das Delta auf dem gleichen Weg auf dem wir hineingefahren sind. Über kleine Straßen geht es in Richtung der Touristenhochburg Constanta, nach einer Nacht auf einem Zeltplatz am Schwarzen Meer, fahren wir an Bukarest vorbei in Richtung Karpaten. Die Fahrt führt durch eine wunderschöne Wald- und Hügellandschaft, kaum Verkehr schöne Kurven, da ist man geneigt es richtig flott angehen zu lassen – Vorsicht!- die rumänischen Straßenbauer verstehen es mitten in einer Kurve den Belag von Rennstreckenqualität auf Kraterlandschaft zu wechseln und das alles ohne Vorwarnung. Da hilft nur Luft anhalten und durch, weiter geht es zum höchsten Teil der Karpaten, die Fagaras Berge.
Die ersten Schneefelder erscheinen am Straßenrand, Wasserfälle fließen aus den Bergen und immer noch kein Verkehr. In einer schummrigen Unterführung riecht es plötzlich komisch – Kuhmist so weit das Auge reicht, dann plötzlich Schnee auf einer Fahrbahnhälfte, dieser wächst auf der Bergseite bis auf fünf Meter Höhe an. Wir erreichen den Tunnel auf dessen anderer Seite der über 2000 Meter hohe Pass wartet. Der Tunnel ist dunkel, nass und vollgestellt mit Verkaufsbuden. Diese finden hier ihr Winterlager. Der Pass ist „offen“, vielleicht noch nicht so ganz, aber für uns reicht es aus. Unser Weg führt uns nach Siebenbürgen, in die bekannte Stadt Sibiu/Hermannstadt. Hier siedelten sich um 1143 die ersten deutschen Siedler an. Sie bildete später das Oberzentrum im Siedlungsgebiet der Siebenbürger Sachsen. Dieses bemerkt man noch heute, die Stadt ist offiziell zweisprachig. Die Ortstafeln und touristischen Informationen sind rumänisch und deutsch beschriftet. Auch behördlich wird die Stadt als Sibiu/Hermannstadt geführt. Wir stellen unsere Motorräder in Nähe der Altstadt ab, hier ist schon alles wunderschön restauriert, die herrschaftlichen Häuser, die Kirchen und Plätze. Einen besonderen Charme versprühen die engen Gassen. Wir essen gut und günstig und finden unsere Motorräder so wieder, wie wir sie mit unserem gesamten Gepäck abgestellt haben. In Sighisoara (Schäßburg) finden wir Quartier in einer Pension direkt an der Altstadt. Hier sind die Restaurationsarbeiten noch nicht so weit fortgeschritten wie in Sibui, was unserer Ansicht nach aber einen besonderen Reiz ausübt. Wir erreichen die, von einer fast kompletten Ringmauer umgebene, Oberstadt durch das Tor des berühmten Stundturmes. Hier ist alles noch sehr ursprünglich, Schotterwege führen uns auf den Burgplatz, wo wir bei einem kühlen Bier die Erlebnisses des Tages Revue passieren lassen.
Wir haben in Rumänien bereits viele wilde Hunde gesehen, hier sind es ganze Horden. Wenn die Einheimischen zu Fuß vom Einkaufen zurückkehren, müssen sie ihre Taschen und Tüten mit Stöcken gegen diese Hunde verteidigen. Da fast jeder Hund bereits Erfahrungen mit Motorfahrzeugen gehabt haben muss, haben wir wenig Probleme, dass erste Motorrad wird angekläfft, das zweite treibt sie in die Flucht. Wir erreichen die Moldau-Klöster, diese wurden von Stefan dem Großen, dem Moldau-Fürsten zum Dank an Gott nach seinen Schlachten im 15.Jahrhundert angelegt. Wir besichtigen das Kloster Voronet und sind begeistert. Ein besonderes Erlebnis, hier sind wunderschöne Fresken mit Bildern aus der heiligen Geschichte dargestellt. Die Abbildungen und die farbliche Vielfalt ist faszinierend. Ein weiterer Höhepunkt unserer Reise ist der fröhliche Friedhof von Sapanta. Hier begann 1935 der Künstler Ion Patras mit bemalten und beschrifteten Grabkreuzen dem Tod seinen Schrecken zu nehmen. In frischen Farben, teilweise in drastischen Worten und Bildern wurde das wichtigste Lebensmotiv des Verstorbenen festgehalten. Man entdeckt hier lustige aber auch tragische Abbildungen. Ebenfalls in Sapanta steht eine sehr sehenswerte Holzkirche. Wegen eines Verbotes, in Transsilvanien orthodoxe Kirchen aus Stein zu errichten, wurden die archaisch wirkenden Kirchengebäude aus Holz gebaut. Von Sapanta geht es leider schon wieder zurück nach Hause. Wir haben die Köpfe voller toller Erinnerungen an freundliche Menschen, schöne und aufregende Orte und der Gewissheit, dass Osteuropa immer wieder eine Motorradreise wert ist. Da wir keine Lust auf Autobahn verspüren, fahren wir unsere Twins über gut ausgebaute Landstraßen durch Ungarn, Slowakei, Tschechien nach Deutschland zurück. ---
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