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| Rund um die Ostsee / Petersburg |
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aus bma 5/09 von Fritz Inhülsen & Sabine Bäuerle
Für unseren Sommerurlaub hatten Sabine und ich eine Reise rund um die Ostsee geplant und der Besuch St. Petersburgs sollte der Höhepunkt dieser Unternehmung werden. Am nächsten Morgen kam zögernd die Sonne durch, die Straßen trockneten ab und zügig ging es durch Litauen Richtung Riga. Die Fahrerei in den baltischen Staaten, und das kann man pauschal für alle drei sagen, ist ein Hochgenuss. Wenig Verkehr auf tadellos ausgebauten Straßen. Der EU sei dank, für die großzügigen Subventionen. In Riga verpassten wir die Umgehungsstraße, quälten uns durch den Feierabendverkehr, fanden aber schließlich die Küstenstraße (A1) wieder und bald auch einen herrlich gelegenen Campingplatz. Der Blick über die Ostsee war großartig und ein Erlebnis für sich. Wir machten uns diesen Abend besonders schön; denn unser Freund Norbert musste am nächsten Tag zurück. Noch ein gemeinsames Frühstück und dann trennten sich unsere Wege. Wir fuhren weiter durch Lettland, zweigten in Pärum ab in Richtung Rakvere. In dem schönen lettischen Badeort Toila übernachteten wir ein letztes Mal vor der russischen Grenze.
Am nächsten Morgen hatte wir noch ca. 35 km bis zu eben dieser Grenze zu fahren. Sabine und ich waren schon ein wenig beklommen, ob der Dinge, die vor uns lagen. Wir erreichten die Stadt Narva und fuhren vorbei an kilometerlangen LKW-Kolonnen, die alle die Grenze passieren wollten. Tagelange Wartezeiten ohne jede Versorgung und ohne jegliche Sanitäranlagen sind hier der Alltag der LKW-Fahrer. Ein deprimierendes Bild. Wir fuhren bis an den lettischen Grenzübergang und wurden auch zügig abgefertigt. Die Kontrolle war freundlich, aber sehr penibel. Nachdem auch die Fahrgestellnummern unserer Motorräder kontrolliert worden waren, konnten wir nach circa einer halben Stunde die Kontrollschleuse verlassen. Langsam rollten wir auf die russische Grenze zu. Stopp: 1.Kontrolle. Wir mussten unsere Pässe vorzeigen. Weiterfahren bis zur Hauptkontrolle und dann warten. Unmittelbar vor der Hauptkontrolle: Pässe vorzeigen. Dann hinein in die Hauptkontrolle (Schleusensystem: Schranke vor und hinter dem Fahrzeug). Wieder Pässe vorzeigen, grüne Versicherungskarte vorzeigen und Formulare ausfüllen. Da meine Russischkenntnisse gleich Null sind, mussten wir auf eine Dolmetscherin warten, die uns helfen konnte. Als wir alle Formulare und auch eine Zollerklärung ausgefüllt hatten, ließ sich der Grenzbeamte noch einmal unsere grüne Versicherungskarte zeigen. Diesmal schien sie ihm gar nicht mehr zu gefallen; denn er schickte uns in ein Bürogebäude, wo wir uns eine neue Versicherungskarte ausstellen lassen sollten. Dort stellte man uns zwei neue, russische Versicherungspolicen aus und zwar zum Schnäppchenpreis von 20 Euro pro Versicherung. Mit diesen neuen Versicherungsnachweisen ging es dann wieder zurück zum Kontrollhäuschen, wo wir wieder warten mussten. Aber niemand interessierte sich für unsere Neuerwerbungen. Irgendwann kam dann ein anderer Grenzbeamter, verlangte unsere Zollerklärung, stempelte sie ab und kassierte 10 Euro. Zum guten Schluss verlangte man dann noch eine Vollmacht von Sabine, denn ihr Motorrad ist aus versicherungstechnischen Gründen auf den Namen ihres Mannes zugelassen. Sie muss also einen Nachweis führen, dass sie dieses Motorrad fahren darf. Natürlich hatte sie so etwas nicht dabei. Nach einigem Hin und Her durften wir schließlich passieren, um nach 300 Metern noch einmal unsere Pässe vorzuzeigen. Jetzt endlich, nach über zwei Stunden, hatten wir freie Fahrt. Aber nur für einen knappen Kilometer.
Jetzt gingen mir einige Gedanken im Kopf herum. Wie schnell dürfen wir eigentlich fahren? Ich hatte keine Hinweisschilder gesehen. Was passiert, wenn uns die nächste Streife anhält und wieder Geld verlangt? Langsam fuhren wir zur Stadt hinaus. Das war einem estländischen Reisebus offensichtlich zu langsam und er überholte uns. Diesen Bus als Deckung nutzend gelangten wir unbehelligt bis nach Petersburg. Die Suche nach unserem Quartier (Swiss-Hotel, Fontanka 93) war durchaus schwierig und äußerst stressig; denn der Verkehr in Petersburg sorgt aus vielerlei Gründen für eine absoluten Adrenalinhöchststand. Straßennamen konnte ich nur entziffern, wenn ich anhielt und sie Buchstabe für Buchstabe mit meinem Stadtplan verglich. Ein haltendes Fahrzeug mögen allerdings Petersburger Autofahrer gar nicht gern. Schließlich standen wir vor unserem „Hotel“, fanden aber nicht den geringsten Hinweis darauf, dass wir hier richtig seien. Weder Hauseingang noch Hausflur ließen erahnen, dass wir hier tatsächlich richtig sind. Deswegen suchte ich zunächst zu Fuß die nähere Umgebung ab, ohne Erfolg. Dann fuhren wir mit den Motorrädern durch mehrere Nebenstraßen. Wir fanden nichts. Dummer weise hatte ich die Telefonnummer des „Hotels“ zu Hause vergessen. Kontaktaufnahme war also unmöglich. Langsam wurde es Abend und wir suchten schon seit fast vier Stunden in der Stadt herum.
Der Rest der Fahrt ist schnell erzählt. Von Petersburg fuhren wir zur finnischen Grenze (Vyborg) und hielten uns Richtung Norden. Wir umrundeten den „Bottnischen Meerbusen“ und passierten bei Haparanda die finnisch-schwedische Grenze. Wir wählten die weitere Route so, dass wir in Schweden zweimal den Polarkreis überfahren mussten. Einmal auf der Strecke nach Pajala und dann südlich von Jokkmokk. So durchquerten wir ganz Schweden, fuhren über die Öresund- und anschließend Stora-Belt-Brücke Richtung Flensburg. Am Sonntag den 27. August waren wir wieder auf heimischen Grund. Unsere Motorräder hatten 6200 km mehr auf dem Zähler und wir viele Erlebnisse und Eindrücke, die nun verarbeitet werden mussten. ---
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