| Bayerischer Wald |
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aus bma 8/10 - Reisebericht von Andreas Wiesenzarter Mit Kumpeln und Motorrad ein Wochenende im Bayerischen Wald – das hat was! Das dachte sich auch Andreas Wiesenzarter; doch es kam mal wieder anders als geplant und so machte er sich eben alleine auf ins niederbayerisch-tschechische Grenzgebiet. Zurück kam er mit Erinnerungen an beeindruckende Landschaften und der Gewissheit, neue Freunde gewonnen zu haben.
Und ein Schwingen ist es nahezu vom ersten Meter an: Der griffige Asphalt der Staatsstraße 2132 und die zahlreichen Kurven, die fast ohne Gerade auskommen und so fast nahtlos ineinander übergehen bieten schon auf der Strecke von Spiegelau nach Frauenau und weiter nach Zwiesel Fahrgenuss pur. Dieser vermindert sich keineswegs auf der weiteren Fahrt nach Bayerisch Eisenstein. Dort peilt Franz zielstrebig das Lokalbahnmuseum an, das im Lokschuppen des Bahnhofs untergebracht ist. Der Bahnhof selbst ist einmalig in der deutschen Eisenbahngeschichte, verläuft doch die deutsch-tschechische Grenze mitten durch das Gebäude. Nach dem Krieg wurden die Schienen vollständig entfernt und der „Eiserne Vorhang“ hochgezogen – mitten durch den Bahnhof verlief ein Metallzaun. Dieser Zustand hat sich mit der Grenzöffnung 1991 glücklicherweise bis heute wieder drastisch zum Positiven verändert. Leider hat das Museum jedoch noch nicht geöffnet. Geschichts- und Bahn-Interessierte können erst vom 19.6 bis 14.9 zwischen 10.30 Uhr und 15.00 Uhr ihren Wissensdurst stillen. Wir haben’s da mit unserem „Kurvendurst“ schon einfacher. Unmittelbar vor der tschechischen Grenze führt die Straße aus Bayerisch Eisenstein in mehreren Kehren und weitläufigen Kurven zügig bergauf und wird bald nach dem Ortsende vom frühlingshaft aufkeimenden Grün des Waldes verschluckt. Nach nur wenigen Kilometern sind 100 Höhenmeter überwunden und wir stehen in Brennes am Abzweig zum Arbersee. Hier oben auf 1040 Meter ist die Natur noch nicht so weit, der Gesamteindruck ist trotz des bayerisch weiß-blauen Himmels und der momentan eher spärlich scheinenden Sonne mehr grau-braun als grün.
Richtig heiß geht’ s nach dem kurzen Zwischenstopp zurück nach Brennes und im Kurvengeschlängel weiter Richtung Lohberg und Lam. Bereits nach „ein paar Metern“ könnten wir jedoch unsere flotte Kurvenhatz am Aussichtspunkt „Hindenburgkanzel“ schon wieder für längere Zeit unterbrechen, denn von hier aus bietet sich eine lohnende Aussicht über den Wald. Wir riskieren nur einen kurzen Blick, stürzen uns wieder aufs kurvige Asphaltband und düsen Richtung Lam. Von da geht’s flott weiter über Arrach, vorbei am 1133 Meter hohen Großen Riedelstein, durch Arnbruck bis nach Rauhbühl zur „Gläsernen Scheune“. Dort begann der Künstler Rudolf Schmid sen. 1980 damit in einer alten Scheune seinen Traum zu verwirklichen und das Gebäude mit Hilfe seiner Familie in ein Gesamtkunstwerk zu verwandeln. Überdimensionale Glaswände im Innern, die akribisch teils mit Bleistift gezeichnet, teils mit Pastellfarben gemalt sind, zeigen verschiedene Geschichten des Bayerischen Walds. So ist der „Räuber Heigl“, der im 19. Jahrhundert in der Gegend sein Unwesen trieb ebenso Thema wie der berühmte Waldprophet, der „Mühlhiasl“, der von 1753 bis 1805 gelebt haben soll.
Wir können uns nicht wirklich einer der beiden Thesen – der Mühlhiasl hat tatsächlich gelebt; der Mühlhiasl ist eine Sagengestalt – anschließen und glauben deshalb auch ganz einfach nur daran, dass wir ganz ohne prophetischen Fähigkeiten den weiteren Fahr- und Kurvenspaß hier im Bayerischen Wald genießen werden. Und unsere Vorhersage erfüllt sich nahezu auf jedem Asphaltkilometer. Wir fahren auch nicht auf den breiten Bundesstraßen, auf denen sich gerade am Wochenende Busse und Wohnmobile vorwärts wälzen. Harry verlässt uns zwar nach der Gläsernen Scheune, aber auch Franz und Karl wissen genau, welch kleine Straßen und Wege ein Maximum an Fahrvergnügen bieten. So passieren wir kleinste Ortschaften wie Neunussberg, Schönau, Asbach oder Grafenried, genießen die kurvige Einsamkeit der asphaltierten, griffigen Fahrbahn und erfreuen uns des saftig-knackigen, neuen Grüns der Laubbäume und der satt hellgrünen Wiesen, die durch knallgelben Löwenzahn mit Farbtupfern übersät sind. Die Kurvenhatz macht soviel Freude, dass wir in Bodenmais den Silberberg und das sicherlich interessante Silber-Schaubergwerk tatsächlich links liegen lassen. Auch veranlasst uns das touristische „Gewusel“ in Bodenmais ebenso wie ein paar Kilometer später in Regen dazu, uns einfach weiter treiben zu lassen: Wir wollen über die ehemalige Rusel-Bergrennstrecke zum Bikertreffpunkt, dem Gasthaus „Wegmacherkurve“, an dem es sich gemütlich sitzen, essen und trinken lässt. Doch daraus wird leider nichts: Das Wirtshaus ist zu unser aller Überraschung dem Anschein nach schon länger geschlossen, lediglich ein Transparent weist darauf hin, dass die „Wiedereröffnung in Kürze“ bevorsteht.
Im Jahre 1742 wurde die um 1100 errichtete Burg von den Panduren, die in dieser Gegend im Österreichischen Erbfolgekrieg wie die Vandalen hausten, zerstört. Der mächtige Wohnturm ist heute noch am besten erhalten und bietet als Aussichtsturm grandiose Blicke. Unter anderem auch auf den „Gläsernen Wald“ direkt unterhalb der Ruine. Aus acht Millimeter dickem, leicht grün und blau schimmerndem Glas hat der Schöpfer der „Gläsernen Scheune“, Rudi Schmid, die bis zu 4,50 Meter hohen Bäume errichtet. Grandiose Ausblicke bieten sich uns etwas später auch wieder von einem traumhaften Höhenrücken. Über Kirchberg und Hunding sind wir mit unseren Bikes nach Langfurth geschlendert. Am dortigen Parkplatz tut sich „der Wald“ auf, und bei klarer Sicht lässt sich weit draußen in der niederbayerischen Ebene sogar Landshut erkennen. Am 1016 Meter hohen „Brotjackelriegel“ vorbei düsen wir weiter in Richtung Süden – unser Ziel ist Loh. Dort findet jeden Winter das berühmte „Elefantentreffen“ statt. An diesem Wochenende ist allerdings eher was für Autofans geboten: Stockcar-Rennen ist angesagt.
Auf der kleinsten der drei Burgen, die eher versteckt und unscheinbar im Wald liegt, erwartet den Biker dafür ein kleiner, sonnig gelegener Biergarten mit einem besonderen Angebot: Alle Motorradfahrer bekommen aufs Essen und Trinken einen Biker-Rabatt von zehn Prozent. Wir gönnen uns einen „Prozent-Kaffee“ und machen uns dann wieder auf die Piste, denn Franz erinnert uns: „Heute Abend ist in der Glashütte nach langer Zeit wieder mal ein Glashüttenfest, und da habe ich Plätze reserviert. Wir sollten also langsam ans Heimfahren denken!“
Dort gibt es dann neben einer deftigen Brotzeit, entsprechenden Getränken, Livemusik und folkloristischen Aufführungen vor allem Interessantes und Wissenswertes rund um die Glasherstellung, für die der Bayerische Wald ebenfalls bekannt ist. Gerade die locker moderierten praktischen Vorführungen der Glasbläser vermitteln ein gutes Bild von diesem Beruf mit der enormen Vielfalt der Produkte. Und die können von den zahlreichen Besuchern gleich nach der Fertigstellung und Auskühlung gekauft werden. Ich verzichte auf diese zerbrechlichen Souvenirs, nehme dafür aber bei der Heimfahrt am nächsten Tag die unauslöschliche Erinnerung mit: „Da Woid is schee!“ Info: Geologisch gesehen ist der Bayerische Wald ein uraltes, hauptsächlich aus Graniten und Gneisen aufgebautes Gebirge, das im Erdaltertum sogar höher war als die heutigen Alpen. Die gerundeten Landschaftsformen erhielten in den letzten Eiszeiten ihr heutiges Aussehen. Der Bayerische Wald erstreckt sich zwischen Donau im Südwesten und dem Gebirgskamm längs der tschechischen Grenze im Nordosten; im Nordwesten wird er begrenzt durch die Cham-Furter-Senke und den Regen, im Südosten durch die österreichische Grenze. Zusammen mit dem Sumava-Gebiet, dem „Böhmerwald“ auf tschechischer Seite bildet er die größte Waldlandschaft in Mitteleuropa. Reisezeit: Ab April/Mai bis in den Oktober hinein sind die Mittelgebirgslandschaften von den Temperaturen her angenehm zu befahren. In den Regionen um Arber, Rachel oder Osser kann es im Frühjahr und Herbst in den Höhenlagen abends und morgens noch relativ kühl sein, auch ist in diesen Höhen zu diesen Zeiten durchaus noch bzw. schon mit Schnee oder Glätte zu rechnen. Sehenswürdigkeiten: Der Bayerische Wald ist so reich an Sehenswürdigkeiten, dass der Motorradfahrer kaum zum Fahren kommen würde, wollte er alle besuchen. Die hier aufgelisteten Vorschläge sind demzufolge alles andere als vollständig und auch ohne Wertung zu betrachten: • Gläserne Scheune, Rauhbühl 3, 94234 Viechtach; Telefon 09942-8147; www.glaeserne-scheune.de • Informationseinrichtungen des Nationalparks Bayerischer Wald wie Hans-Eisenmann-Haus, das Haus zur Wildnis, das Waldgeschichtliche Museum oder die Tier-Freigehege in Neuschönau und Ludwigsthal. Informationen gibt’s bei der Nationalparkverwaltung Bayerischer Wald, Freyunger Straße 2, 94481 Grafenau; Telefon 08552-96000; www.nationalpark-bayerischer-wald.de • Talstation Großer Arber, 94252 Bayerisch Eisenstein, Telefon 09925-9414-0; www.arber.de Unterkunft: • Hotel Waldfrieden, Waldschmidtstraße 10, 94518 Spiegelau, Telefon 08553-9799660, www.bikerhotel-spiegelau.de • Landhotel Forellenhof, Zeitlsäge 4, 94250 Achslach, Telefon 09929-902123, www.lanhotel-forellenhof. de Landkarten: • Allianz Freizeitkarte Bayerischer Wald; Maßstab 1 : 110 000; mit Freizeitführer und Ausflugstipps. 6,95 Euro • ADAC FreizeitKarte Bayerischer Wald – Gäuboden, Maßstab 1 : 100 000, ISBN 3-8264-0933-7; 6,50 Euro Wichtige Adresse: Tourismusverband Ostbayern e.V. , Luitpoldstraße 20, 93047 Regensburg; Telefon 0941-58539-0; Web: www.ostbayern-tourismus.de ---
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