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aus bma 4/09 von Jörg van Senden
1492 erreichte Don Cristobal Colon, den die meisten bei uns unter dem Namen Christoph Columbus kennen, nach beschwerlicher Atlantiküberquerung eine Küste, die er zuerst für den Osten Asiens hielt. Über zwei Millionen Deutsche haben bisher die Dominikanische Republik als Urlaubsziel für sich entdeckt. Das war für uns ein guter Grund der freundlichen Tropeninsel einen Besuch abzustatten. Die Insel ist bekannt für guten Rum, hervorragende Zigarren, hübsche Latinas und die Lebensfreude ihrer Bevölkerung. Außerdem bieten sich interessante Tauchgebiete und die Möglichkeit, preisgünstig mit einem Motorrad auf eigene Faust das Land zu erkunden.
Für mich war es nicht der erste Besuch in der „Dom.Rep.”, um auch einmal die Katalogsprache zu benutzen. Für die Einheimischen ist ihr Reich einfach „la Dominicana“. Da mir die Badestrände von Sosua, Cabarete, Punta Cana, Boca Chica, Puerto Plata und Playa Dorada alle schon bekannt waren, fiel die Wahl dieses mal auf die Halbinsel Samana, die mit weniger dicht stehenden Hotels und viel urwüchsiger Natur einen besonderen Reiz bietet. In gut zu erreichender Nähe befinden sich die „Barcadi-Insel” Cayo Levantado und der Nationalpark Los Haitises. In der Bucht von Samana treffen sich zwischen Februar und März die Grau- und Buckelwale und bringen dort im permanent 27 Grad warmen Wasser ihre Kälber zur Welt. Da sie sich jedoch von Krill ernähren, ziehen sie danach schnell wieder in kühlere Regionen in Richtung Grönland, sonst würden sie verhungern.
Wir waren im April dort. Leider haben wir keinen Wal mehr getroffen. Es sollen über 120 Tiere gezählt worden sein. Unsere Anreise von Hamburg nach Puerto Plata betrug in etwa 10 Stunden im Flugzeug, zuzüglich Wartezeiten und anschließenden 3-4 Stunden Bustransfer zu unserem „Five-Star-Resort Viva Wyndham“. Die Taucherei fanden wir nicht so besonders spektakulär, deshalb will ich gar nicht weiter darauf eingehen. Vielleicht sind wir auch durch andere Reisen diesbezüglich etwas verwöhnt. Mit den Motorrädern sollten wir jedoch noch jede Menge Spaß haben. Die Dame am Schalter der Vermietung „Daytona Rent a Cars & Motors“ erklärte uns, daß sie nur noch eine 400er hätte und diese auch ziemlich „fuerte“ sei, was soviel wie „hat echt Power“ heißen soll. Ja glaubt die denn, dass wir mit lächerlichen 400 Kubik nicht klar kommen?! Schließlich ist mein Kumpel Thomas sonst mit 1150 und ich mit ganzen 1300 Kubik unterwegs. Später stellten wir jedoch fest, dass die Motorisierung den Straßenverhältnissen recht gut angepasst ist und schon mit das fetteste ist, was im Straßenbild zu sehen ist. Die meisten Moppeds fahren hier mit 50 bis 125 ccm herum. Das reicht für die Einheimischen locker um auf diesen Vehikeln mit bis zu vier Personen plus Gepäck umherzufahren. Dass die Stoßdämpfer ständig anschlagen, ist normal.
Die hübsche Dame von Daytona überprüfte noch kurz unsere Reisepässe und verlangte auch noch unsere Führerscheine zu sehen. Thomas hatte seinen leider zuhause vergessen. Also legte er einfach seinen Personalausweis vor. Anscheinend völlig ahnungslos notierte die Dame die Nummer des Dokuments in der Wir betrachteten unsere fetten Maschinen. Thomas hatte eine 250er, die aus Teilen einer Honda XR und Teilen einer Yamaha XT zusammengemixt zu sein schien. Alles funktionierte, bis auf den Tacho. Ich hatte das Glück eine noch relativ neu aussehende Domoto 200 bekommen zu haben, auch hier war der Tacho nach 859 km bereits verstorben. Um ehrlich zu sein, hatte ich vorher noch nie von dieser Marke gehört, die den preisgünstigen Charme eines Baumarktproduktes ausstrahlt. Bei meiner nachträglichen Internetrecherche habe ich einiges gefunden, jedoch nichts was auf motorisierte Zweiräder deutet... Aktenvernichter, den Lebenslauf eines Terroristen, Blechspielzeuge... Blechspielzeuge?! Wir suchten uns den Weg aus dem Hotel und dann die nächst beste Möglichkeit den Strand zu erreichen. Man kann auf Samana kilometerweit herrlich am Strand entlang fahren, ohne dass sich jemand daran stört. Nur ab zu begegnet man anderen, meist einheimischen Motorrad- oder Quadfahrern, die sich dem gleichen Vergnügen hingeben oder nur zum Baden ans Meer gefahren sind. Nach wenigen Kilometern sahen unsere vorher noch sauberen Enduros aus, wie Enduros eigentlich auszusehen haben. In den Touristengebieten wird außerdem ab und zu auch mal ein wenig Englisch gesprochen. Wenn das nicht funktioniert, hilft immer noch ein Lächeln und das Gestikulieren mit Händen und Füßen. Die Menschen sind sehr freundlich und bemüht einem zu helfen.
Da wir schon so dicht an „Las Terenas“ waren, nutzten wir die Gelegenheit, die einzige Tankstelle der Stadt zu besuchen. Hier herrschte das reine Chaos. Massen an Zweirädern drängten sich um die einzige noch funktionierende Zapfsäule. Während der Rum bei uns entweder Löcher in die Tischplatte brennt, wenn es daneben getropft hat, oder geschmacklich bestenfalls als Rum-Aroma für den Kuchen taugt, hat der dominikanische Rum echte Cognac-Qualitäten zu bieten. Die besseren Sorten der Marken Brugal, Barcelo und Bermudez werden zur Reifung deshalb bis zu 23 Jahre gelagert und ausgebaut. Wir waren bei Brugal zu Besuch und haben es ausgiebig getestet und waren sehr zufrieden. Zigarren, welche qualitativ den Vergleich mit den kubanischen Habanas nicht scheuen müssen, sind relativ preisgünstig zu bekommen. Große Namen wie Davidoff und Cohiba lassen inzwischen einen erheblichen Anteil ihrer Ware in der Dominikanischen Republik fertigen. Die Produktpiraterie ist jedoch enorm. Also besser keine Zigarren von fliegenden Händlern am Strand kaufen. Die sind garantiert nicht echt, qualmen aber dennoch.
Aber wo ich gerade über Mühlen und ihre Funktion sinniere, zurück zu unseren Mühlen. Die Kinder schauen mit großen Augen unseren Moppeds hinterher. Trotz der einfachen Verhältnisse wirken die Menschen alle recht fröhlich und zufrieden. Vielleicht aber auch gerade deshalb. Es ist ein ruhiges Leben. Alle scheinen unendlich viel Zeit zu haben. Wir bekamen bei Blickkontakt von allen stets ein Lächeln zurück, besonders von den jungen Damen, die manchmal kontaktfreudiger waren, als es uns lieb war. Wir hatten jedoch nie ein ungutes Gefühl dabei, oder gar den Eindruck bedroht zu werden. Wegen der Straßenzustände haben wir es vermieden bei Dunkelheit zu fahren. Schlaglöcher und andere Fahrzeuge ohne Beleuchtung waren uns ein zu großes Risiko Das Hinterland ist enorm bergig. Die höchste Erhebung ist der „Pico Duarte” mit stolzen 1375 Metern Höhe. Soweit wollten wir dann aber doch nicht. Die Problematik der Benzinbeschaffung setzte unseren Ausflügen stets ein Limit im Bewegungsradius. Manchmal gibt es auch kein Benzin, dann verkaufen die Einheimischen ihre Reserven in alten Colaflaschen am Straßenrand. ---
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