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| Allgäu-Orient Rallye 2010 |
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aus bma 10/10 von Katharina Königsmann
Lang dauerte die Suche nach drei wagemutigen Frauen, die in Jordanien ihre Fahrzeuge dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen spenden. Silke Heimgärtner, Natascha Schmitt und Christina Hindemith machten „die Motorbienen“ komplett. Da sich nicht jede Biene diesen Trip durchgängig auf zwei Rädern zutraute, wagten wir das Abenteuer mit zwei Honda NX 650 und einem Golf Kombi. Unsere Route: Oberstaufen - Österreich -Ungarn - Serbien - Bulgarien - Griechenland - Tü̈rkei - Syrien - Jordanien. 30. April 2010. Aufgeregt formieren wir uns zwischen bunt geschmückten Autos. Es herrscht eine lockere Stimmung unter den 96 Teams. Wir sind eher die Exoten zwischen 246 alten Autos, begeben sich doch nur 10 Motorräder auf den Weg in den Nahen Osten. Mit Aushändigung des Roadbooks fällt endlich der Startschuss für die lang ersehnte Reise. Blechlawinen in Deutschland und Österreich, alle 200 Kilometer tanken und dann noch eine zickende Domina, machten unseren ersten Rallyetag nicht zum Kilometerfresser. Mitternacht, die Hände vibrieren, der Hintern brennt. Nach 596 Kilometern und 14 Stunden auf den Motorrädern sind die Augen müde. Den Mädels im Golf geht's ähnlich - wir brauchen eine Bleibe. Nah bei Graz, dröhnt Partymucke aus einer Kneipe. Frech in Endurostiefeln stehe ich zwischen angetrunkenen Männern: „Wir sind vier Frauen und brauchen vier freie Betten“. Sofort kommt aus dem hintersten Eck: „Ich habe vier freie Betten“.
Doch das mit dem Kartenlesen müssen wir noch üben, der Grenzübergang Horgos ist nur für Serben geöffnet. Leichter Umweg von einer Stunde, dafür Motorradspaß entlang der wilden Tisza, die zwischen Novi Sad und Belgrad in die Donau mündet. Doch auch in Serbien geht die Sonne unter, unser Tageslimit ist kurz hinter Novi Sad erreicht und zum Zelten in dieser Gegend ist nicht jede Motorbiene bereit. Rettung kommt von den Jungs vom Team 103, ein Vierbettzimmer im Dorf Star Pazova mit serbischer Grillplatte, Schnaps und Bier. Spät dran sind wir an diesem Sonnenmorgen, leichter Kater lässt erstmalig die Wahl zwischen Moped und Auto leichter fallen... Unsere Konzentration soll sich am dritten Rallyetag nicht nur auf die Strecke beschränken: Mädels, Augen auf für ein Fußballtor. Buntes Markttreiben, kreuzende Schafherden und chaotisches Verfahren in Belgrad lässt unsere Hoffnung auf bolzende Jungs am Straßenrand dahinschwinden. Plötzlich ist es da, das schönste Fußballtor der Welt. Hut ab vor den fleißigen Bienen, alle Fahrzeuge im Tor, serbische Flagge und Fotoapparate parat, als ich schweißtriefend vom Hände-und-Füße-Gespräch mit neugieriger Familie im Schlepptau und Fußball in der Hand mein Team erreiche. Weiter über die Ausläufer der Karpaten werden Kurventräume Wirklichkeit. Der Lastengolf quält sich, die Mädels auf den Dominas heizen, vorbei geht’s an rauschenden Wasserfällen und verwunschenen Dörfern.
In Höchstform, kein verkaterter Morgen, starten wir aus Pazgadin Richtung Türkei und der Wechsel der Kulturen wird immer sichtbarer, die Freundlichkeit der Menschen bleibt. Mit Tsatziki und Moussaka, den Ouzo vergessen wir mal, fühlen wir uns fast wie in Deutschland, zum Glück nur fast. Wir reisen über Griechenland/Kastanies in das osmanische Reich ein. Die Türkei begrüßt uns mit langem Grenzkorridor, Maul- und Klauenseuchebecken (juhu, endlich eine Wasserdurchfahrt) und Militärpräsenz. Erstaunlich schnell und freundlich ist der Papierkrieg erledigt. 40 Kilometer vor Istanbul wird der Verkehr zur Katastrophe, wir drängeln energisch um jede Position und erreichen nach 2410 Kilometern den ersten Rallyesammelpunkt. Abenteuerliche Autos mit noch abenteuerlicheren Menschen, gleich einer Szene aus „Mad Max“, tummeln sich auf dem Parkplatz des TV-Senders TRT im Zentrum Istanbuls. Tags darauf erledigen wir unsere Rallyeaufgaben und wie immer ist Pflege der Hondas angesagt. Ein bisschen Öl, ein wenig Kettenspray, sie sind wie der Golf extrem pflegeleicht. Faszinierendes Istanbul, wir genießen das bunte Treiben im „Kapali Carsi“ und tanken in den Parks zwischen den Moscheen auf, denn morgen wird eine Rallye aller Teams vom TRT zur Blauen Moschee stattfinden. Nach chaotischer Startaufstellung fällt das „GO“ zum Le-Mans-Start. Über zweihundert bunt beklebte Rallyeboliden kämpfen sich hupend und drängelnd durch die Rush Hour der 13 Millionenstadt über die Brücken des goldenen Horns mitten in die touristische Kernzone zwischen Topkapi-Palast, Hagia Sofia und Blauer Moschee. Trotz Autohandicaps fühlen wir uns als die wahren Helden! Nach diesem Adrenalinschub kurze Verschnaufpause auf der Fähre über den Bosporus nach Asien zur Ankaraaufgabe. Der Kontrast zwischen Ankara und Istanbul könnte nicht größer sein. Die türkische Hauptstadt wirkt auf mich organisiert, modern und ziemlich wohlhabend. Auch hier sind die Dimensionen riesig – nach passieren des Schnellstraßenrings fahren wir noch lange bis wir den Hauptsitz des Senders TRT zu Filmaufnahmen erreichen. TsdS, Türkei sucht den Superstar! Geschmückt mit traditionellen Kopfbedeckungen, wackelnd auf den Motorrädern ertönt aus unseren Mündern zaghaft sikedim, sikedim. Alles andere Einstudierte brachte meine Zunge an die Verknotungsgrenze.
Unsere Fahrt durch diese fruchtbare Region in Kappadokien, geprägt durch den ruhenden Vulkan Erciyes, ist Genuss pur. Fix finden wir in Kayseri die Sucuk-Wurst, haben leider zum Verweilen auf dem historischen Markt keine Zeit. Orientierungslos schwirren die Bienen umher, wo geht's nach Gaziantep? Rettung verspricht ein Polizeiauto. Mit Karte und Freundlichkeit bewaffnet wird nach dem Weg gefragt. Die Jungs fackeln nicht lange. Weit bis hinter die Tore der Stadt jagen wir den wilden Ordnungshütern hinterher. Tabu für Geschwindigkeitsbegrenzungen und rote Ampeln. Frauenbonus oder Machogehabe? Egal - der Spaßfaktor ist riesig! Gaziantep im Südosten der Türkei hat seiner Partnerstadt Duisburg einen eigenen „Sokak“ gewidmet, den Duisburg bulvari. Auch diese Aufgabe ist in der Dunkelheit mit Hilfe Einheimischer schnell erfüllt. Unser Tageskilometerlimit ist erreicht, anderthalb Stunden bis zum Anbruch des nächsten Tages wird mit türkischem Kaffee überbrückt, zur syrischen Grenze/ Azaz ist es nicht mehr weit. Güle güle, du schönes Land. Nun geht es sehr orientalisch zu. 115 Euro pro Benziner, 100 Euro pro Motorrad, Versicherung, Verzollung und Registrierung haben ihren stolzen Preis. Nach ätzend langem Grenzaufenthalt und 20 schlaflosen Stunden kommen wir nicht weit. Isomatten und Schlafsäcke werden auf’s nächste Feld gepackt, wählerisch ist keine mehr. Wir erwachen inmitten einer syrischen Familie, die verständnislos auf uns blickt. Ein arabisches Schriftstück erklärt ihnen unser Vorhaben, wir lachen miteinander, erzählen uns irgendwelche Geschichten, die niemand versteht und nach kräftigem Händeschütteln sind sie wieder auf ihrem Pick-up. Unser Zeitplan ist irritiert, Endziel bleibt Jordanien. Rollstuhl und Kinderspielzeug müssen in das Kinderheim nach Salamiyah. Heute ist irgendwie nicht unser Navitag, Hitzekoller? Ruhig Bienen, andere Teams irren ähnlich umher. Kurvige Bergstraßen, staubige Wüstenwege und Beduinen mit ihren Schafherden machen diesen Tag zu einem wahren Erlebnis. Wir beneiden die Syrer ohne Schutzkleidung auf ihren knatternden Mopeds, teilweise mit 4 Mann, auf dem Gepäckträger im Plastikkorb noch Kleinstkinder. Immer hilfsbereit, uns den Weg zu zeigen oder es sich nicht nehmen lassen vorweg zu fahren, wie bis zum Kinderheim. Schnell werden die Hilfsgü̈ter übergeben, denn die antike Oasenstadt Palmyra ruft. Zu riskant in absoluter Dunkelheit weiter zu fahren, errichten wir unser Nachtlager unter’m Sternenhimmel.
Mehr Bilder, Infos und ein Tagebuch gibt es auf www.die-motorbienen.de. Kurzinfo zur Rallye: ---
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