| Thermoflash-Heizbekleidung |
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aus bma 03/07
Zugegeben, als wir das erste Mal von einem Motorradanzug mit Warmwasserheizung hörten, dachten wir an einen verfrühten Aprilscherz. Schnell stellte sich aber heraus, das der ungarische Hersteller Thermoflash nicht nur über einen engagierten deutschen Vertrieb verfügt, sondern es wirklich Ernst meint. Wir erhielten kurzfristig ein Thermoflash-System zum ausgiebigen Testen, das wir auf eigenen Wunsch selbst in unsere Redaktions-Bastel-BMW einbauten. Was das Thermoflash-System denn nun eigentlich ist? Ok, berechtigter Einwand. Also: es handelt sich um ein Set, bestehend aus einem Unteranzug in den dünne Schläuche eingearbeitet sind und um einen Wärmetauscher samt Steuerung. Den Anzug trägt man unter der normalen Motorradbekleidung und stöpselt ihn über ein selbstschließendes Steckventil an den Wärmetauscher an. Der Wärmetauscher seinerseits ist mit dem Kühlwasserkreislauf der Maschine verbunden. Die Trennung ist notwendig, um die Anzugtemperatur regeln zu können. Außerdem wird jedlicher potentieller Hautkontakt zur Motorrad-Kühlflüssigkeit vermieden. Die Anzugseite ist mit einer biologisch unbedenklichen, frostsicheren Flüssigkeit gefüllt. Über ein Bedienfeld stellt man die gewünschte Temperatur ein und im Nu soll’s in der Kombi wohlig warm werden. Die Idee ist gut, schließlich hat ein Verbrennungsmotor einen Wirkungsgrad von gerade mal 30-40% - die restliche Energie des teuren Sprits verpufft größtenteils ungenutzt als Wärme. So weit die Theorie, wie funktioniert es aber in der Praxis? Die Montage gestaltete sich als nette Nachmittagsbastelei. Wer in der Lage ist, eine große Inspektion an seiner Maschine durchzuführen, kann auch das Thermoflash-System selbst verbauen. „Teileanschrauber” wären indes überfordert. In die Zu- und Ableitung des Wasserkühlers werden Adapter platziert, die etwas Kühlflüssigkeit zum Wärmetauscher abzweigen. Die Wärmetauscher-Einheit bietet Thermoflash in drei Varianten alternativ zur festen Installation am Bike oder als transportable Lösung an. Wir testeten die mobile Variante, die in einem passenden Tankrucksack geliefert wird. Vorteil: man kann das System an mehreren Fahrzeugen nutzen und braucht keinen Montageplatz am Bike zu suchen. Nachteil: man muss den Tankrucksack (wie jeden anderen auch) abnehmen bzw. anschließen, damit er nicht geklaut wird. Schnellkupplungen zum Kühler und zur Stromversorgung übernehmen die Verbindung. Die Kupplungsventile schließen natürlich selbsttätig, so dass man auch ohne den Thermoflash-Tankrucksack fahren kann. Dieser ist übrigens - wie auch der Rest des Systems - einwandfrei verarbeitet und wartet mit durchdachten Details auf. Auf Stahltanks haftet die Tanktasche dank starker (herausnehmbarer) Magnete, für andere Tanks oder für die Montage als Hecktasche liegen Riemen bei. Bei unserer etwas unkonventionellen, vor allem bei Fahrschulen recht beliebten BMW F 650 CS Scarver passt er sogar in den Stuffbay. Für die Stromversorgung nutzten wir die originale Bordsteckdose der BMW, es lag aber auch ein extra Anschlusskabel bei. Den Unteranzug trägt man idealer Weise über der Unterwäsche. Das muss kein Feinripp sein, sondern funktionelle Kurz- oder Langarm-T-Shirts sind ebenso gut geeignet. Da hat jeder seine eigenen Vorlieben. Shirts, Shorts oder Slips von Hanes sind z.B. eine gute Wahl. Grundsätzlich muss die Wäsche zweckmäßig und bequem zu tragen sein. Ein Körperbetonter, faltenfreier Schnitt ohne drückende Nähte ist speziell unter eine Kombi sehr angenehm. Daumen- und Fersenschlaufen verhindern das Verrutschen des Anzugs wenn man in die Motorradkombi steigt - klasse Detail! Den sehr flexiblen Anschlussschlauch führt man zwischen Jacke und Hose nach außen. Anstöpseln, Maschine starten und das System durch Tastendruck einschalten (das geht je nach Anschluss auch über die Zündung) und los geht’s. Bei der ersten Ausfahrt war es mit 10 Grad Celsius noch recht warm. Das Thermoflash-System lässt sich über zwei Tasten zwischen 35 und 55 Grad Celsius einstellen. Das klappt auch mit Winterhandschuhen, allerdings spürt man keinen Druckpunkt bei den Tasten. Dafür zeigt das beleuchtete Display die gewünschte Temperaturänderung an. Es informiert außerdem über die Außen- und Anzugtemperatur, den Betriebszustand sowie eventuelle Fehler. Nach nur drei Kilometern erreichte die BMW-Kühlfüssigkeit 35 Grad und der Wärmetauscher nahm die Arbeit auf. Was folgt, lässt sich nur mit einem Wort beschreiben: GEIL! Stellt Euch vor, Ihr liegt in der Badewanne und fröstelt leicht. Ihr dreht das heiße Wasser auf und wohlige Wärme durchströmt Euch. Das kommt dem Gefühl, das der Thermoflash-Anzug vermittelt, schon recht nah, nur das es viel schneller geht! Der zweite Testlauf bei einstelligen Minusgraden ließ das Potential des Thermoflash-Systems dann schon besser erahnen. Quält man sich sonst zwiebelmäßig in diverse Isolationsschichten, kann man auf Pullover und lange Unterhose weiterhin getrost verzichten. Angenehme Wärme bei gewohnt hoher Beweglichkeit sorgen für einen völlig neuen Fahrspaß im Winter. Die kleine BMW gab’ den Wärmekreis auch hier nach ca. drei Kilometern frei. Die Handhabung des Systems, An- und Abstöpseln und die Bedienung ist problemlos. Hände, Füße und Gesicht muss man im Winter durch geeignete Bekleidung (Sturmhabe u.s.w.) aber natürlich trotzdem schützen. Ein großer Vorteil der Thermoflash-Lösung gegenüber elektrisch betriebenen Heizsystemen ist die Nutzung der Motorwärme, denn so kann man auch auf kleinen Motorrollern, Quads oder Bikes mit leistungsschwächeren Lichtmaschinen das Fahren bei niedrigen Temperaturen genießen. Ferner ist die Heizleistung bei weitem höher - laut Thermoflash bei 70 Grad Kühlwassertemperatur schon fette 1800 Watt (3800 Watt bei 90 Grad)! Da könnte man sich ohne die Beschränkung selbst gar kochen. Das Thermoflash-System ist nicht ganz billig. Für die von uns getestete Ausführung werden 1100 Euro fällig. Bedenkt man aber, dass man es bei jeder neuen (wassergekühlten) Maschine weiter verwenden kann, ist es eine Investition auf lange Zeit. Vor allem ist der Anzug nicht nur für Hardcore-Winterfahrer interessant, denn auch wer im Frühling oder Herbst fährt, hat sicherlich an manchen Tagen schon bibbernd an der Heizung gestanden. 50 Kilometer bei acht Grad reichen oft schon zum Frösteln. Mit fließend warmen Wasser in der Kombi verlängert man die Saison hingegen erheblich. Nur das Saisonkennzeichen ist dann für die Katz’. Thermoflash bietet auch eine Lösung, um das System mit Sozia bzw. Sozius nutzen zu können. Eine Heizdecke, die aber eher für Rettungsdienste und Ersthelfer interessant sein dürfte, kann ebenfalls angeschlossen werden. Weiteres Zubehör ist in Planung. Im Frühjahr 2007 startet Thermoflash eine Promo-Aktion und gibt kostenlos eine heizbare Jacke dazu. Die Kombination Overall/Jacke ist ideal, denn für kürzere Strecken schlüpft man kaum in den Overall - die Jacke ist hingegen schnell übergestreift bzw. als Futter in die vorhandene Motorrad-Jacke eingezogen und an den Beinen friert man ja nicht so schnell. --- Nachtrag 11/08 von Marcus Lacroix: Inzwischen geht unser Thermoflash System in die zweite Wintersaison. Da Thermoflash die Einbau-Version nicht mehr direkt anbietet, zerlegten wir unser Tankrucksack-System und verbauten die Komponenten fest und diebstahlsicher am Motorrad. Ggf. benötigte Einzel- oder Ersatzteile liefert Thermoflash auf Nachfrage. Dem Winter 2008/2009 können wir also entspannt entgegensehen - solange die Straßen eisfrei bleiben...
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