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| Yamaha YZF 125 R Modell 2011 |
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aus bma 1/12 - Fahrbericht von Klaus Herder
Wer das Glück hatte, vor dem 1. April 1980 das 16. Lebensjahr vollendet zu haben, und im Besitz eines Führerscheins der Klasse 4 war, gehörte zur Kleinkraftrad-Generation. Traumhafte Zeiten: Der Lappen kostete nur rund 40 Mark für die theoretische Prüfung, eine praktische Ausbildung oder gar Prüfung gab’s nicht. Die einzige technische Beschränkung lautete „maximal 50 cm³ Hubraum“, was uns die legendären 6,25 PS der Platzhirsche von Hercules, Kreidler und Zündapp bescherte. Aber es waren auch teure Zeiten; denn die bis in den fünfstelligen Bereich drehenden und knapp 100 km/h schnellen Zwiebacksägen fielen mit ihren unerfahrenen und übermotivierten Piloten wie die Fliegen, was die Versicherungsprämien auf 600 Mark und mehr pro Jahr hievte. Zudem kosteten die Top-Geräte auch ein kleines Vermögen. Für eine Hercules Ultra III LC – DER Traum aller pubertierenden Nachwuchs-Racer – wurden zuletzt über 4000 Mark verlangt. Für die meisten von uns unbezahlbar, für den Autor dieser schwer nostalgischen Zeilen reichte es nur zu einer echt fies aussehenden, aber nur 300 Mark teuren Yamaha FS1 mit bescheidenen 5,2 PS und aus gefühlter sechster Hand. Welch Schmach, aber damit ging es beim Tanken immerhin an die cheffige Autosäule, nicht an den peinlichen Handbetrieb-Zapfer – Stichwort „Getrenntschmierung“!
Tabellenführer bei den unverändert Leichtkraftrad genannten Einstiegsgeräten ist seit ein paar Jahren Yamaha. Die Japaner mit den Stimmgabeln im Logo bedienen rund 30 Prozent des deutschen Marktes, und der Hauptgrund dafür heißt YZF-R125. Von der unangefochtenen Nummer eins der 125er-Hitliste verkaufte Yamaha bis Ende Oktober 2011 exakt 1550 Exemplare. Das reicht für den dritten Platz der internen Yamaha-Wertung. Nur die XJ6 (1704 Stück) und die FZ8 (1622) gingen besser, gestandene Modelle wie die Super Ténéré (938) und die R1 (386) deutlich schlechter.
Am amtlichen Auftritt, der dafür sorgt, dass der Yamaha-Fahrer stets respektvoll gegrüßt wird, hat sich bis heute gottlob nichts geändert. Die „kleine“ R wurde damit sogar zum Trendsetter, als härtester Wettbewerber musste Honda dringend nachbessern und verpasste der CBR 125 R für 2011 ein deutlich erwachseneres Outfit. Im Vergleich mit Yamaha hat Honda damit kräftig aufgeholt, doch Überholen ist etwas ganz anderes. Für die Honda spricht der um rund 600 Euro günstigere Preis, Yamaha punktet mit anderen Tugenden. Zum Beispiel mit dem famosen Motor: Der flüssigkeitsgekühlte Einzylinder-Viertakter ist im Unterschied zu den meisten Wettbewerbern ein Langhuber (Bohrung 52 mm, Hub 58,6 mm), was ihm eine fette Drehmomentkurve und ein angenehm niedriges Drehzahlniveau beschert. Munteres Mitschwimmen im Stadtverkehr ist mit gut 5000/min locker machbar, der Racer erwacht bei 8000 Touren, dazwischen bleibt viel Raum für stressfreies Landstraßen-Schwingen. Der Fahrer freut sich dabei über einen – für Sportler-Verhältnisse – perfekten Arbeitsplatz: tiefliegende Lenkerstummel, schmaler 13,8-Liter-Tank, nicht zu breiter Sitz, griffige Alu-Fußrasten genau dort, wo sie hingehören – dass passt. Und zwar auch längeren Menschen. Einzig das Cockpit birgt noch Verbesserungspotenzial, denn die Instrumente sind etwas mager bestückt. Eine Wassertemperaturanzeige sowie Tank- und Zeituhr stehen noch auf der Wunschliste und können eigentlich nicht die Welt kosten.
Und das auch gern über viele Kilometer am Stück, denn mit einem Durchschnittsverbrauch von fast schon rekordverdächtigen 2,5 Litern auf 100 Kilometern kommt die YZF-R125 locker über 500 Kilometer weit, ohne Sprit nachfassen zu müssen. Selbst Grobmotoriker am Gasgriff werden es kaum schaffen, den Verbrauch über die Drei-Liter-Marke zu treiben. Ein starker und sparsamer Motor, hervorragende Bremsen sowie ein ausgezeichnetes Fahrwerk – kann man da noch mehr loben? Kann man, zum Beispiel die saubere Verarbeitung des 4000 Euro (plus ggf. rund 250 Euro für die 80-km/h-Drosselung) kostenden Sportlers. Die Yamaha ist eben nicht nur in ihren Abmessungen absolut erwachsen. Und sie ist der eindeutige Beweis dafür, dass früher nicht alles besser war. Zumindest nicht die Einsteigerklasse... ---
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