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| 80er Jahre Soft-Chopper - Easy Rider für alle Tage |
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aus bma 1/12 - Geschichtsstunde Text: Rainer Manhoff
Nachdem der legendäre Streifen „Easy Rider” 1969 über die Leinwände flimmerte, begann die Szene anders zu ticken. Wer hätte damals gedacht, dass Peter Fonda, Dennis Hopper und ihre Harleys damit eine ganze Ära prägen würden? Bis dahin stand der Begriff „choppen” für das mehr oder weniger planvolle Um- oder Abbauen diverser Motorradteile. Selbst wenn Softchopper ihre Wurzeln in den USA haben, sind sie dennoch keine Erfindung von Harley-Davidson. In Milwaukee wird schließlich zünftig gechoppt oder gecruist - nicht gesoftchoppert. Norton und Triumph waren in den frühen siebziger Jahren die ersten, die auf den anrollenden Publicity-Zug des „American Way Of Life” aufspringen wollten - und legten prompt unsanfte Bauchlandungen hin.
Ein kleineres 13 Liter-Spritfass, ein höherer Lenker, dazu eine fette Stufensitzbank samt voluminösem Hinterreifen und ein paar zusätzliche Chrom-Teile reichten völlig, um den Fans ordentlich die Köpfe zu verdrehen. Es dauerte nicht lange bis Honda die smarte CM 185 T und Yamaha die XS 650 U.S. Custom mit drehmomentstarkem Parallel-Twin präsentierten. Und die Rechnung ging auf. Nun kam es, wie es kommen musste und ein Hersteller nach dem anderen unterzog seine Standard-Modelle einer internen Customizing-Kur. Kawasaki legte mit der Z 650 SR und der Z 440 LTD nach, Honda ließ die Güllepumpe zur CX 500 C mutieren und Suzuki stellt die GS 550 und GS 750 als angechoppte L-Version in die Schaufenster.
Die italienische Motorradindustrie konnte nicht so schnell handeln wie sie eigentlich wollte und lief dem Trend mit etwas Verspätung hinterher. Umso schlimmer, als sich herausstellte, dass diese Mode, so schnell wie sie kam, auch wieder verschwand. So stellte Cagiva erst Mitte der achtziger Jahre die 650 Indiana mit sportlichem 650er Pantah-Motor vor, kurz darauf sogar mit 750 ccm. Eine Zeit, in der Harley-Davidson selbstbewusst die Sportster 1000 (1982) und die kleinere Sportster 883 (1986) vorstellte und so die Zielgruppe gezielt auf jüngere Damen und Herren ausbaute. Kunden fernöstlicher Bikes wählten insbesondere zu dieser Zeit ihr Fahrzeug nach wesentlich logischeren Kriterien aus, als beispielsweise Harley-Fans. Speziell für deutsche Motorradfahrer spielen Preis, Leistung und Einsatzzweck bei der Wahl eine enorm wichtige Rolle.
Während sich Yamaha im Segment der Softchopper auf den luftgekühltem OHC-V2 mit zwei Ventilen pro Zylinder konzentrierte, widmete man sich bei Honda schon frühzeitig dem aufwendigeren V4-Konzept mit DOHC-Ventilsteuerung, vier Ventilen pro Zylinder und Wasserkühlung. Als Sekundärantrieb griff man hingegen genauso gern auf einen Wellenantrieb zurück, was zu Beginn der achtziger Jahre keineswegs eine Selbstverständlichkeit war, da für die Umstellung von Kette auf Kardan neben dem Motorgehäuse und Getriebe auch der Rahmen kostenintensiv modifiziert werden musste. Nichtsdestotrotz schreckte Honda nicht davor zurück, dem lebendigen DOHC-Reihenvierzylinder der CB 900 F Bol d'Or in der US Custom-Version ein spezielles Vorgelege ins Getriebe zu pflanzen, um aus den nominell vorhandenen fünf Gangstufen derer zehn zu zaubern. Resultat: auf Wunsch brachiale Beschleunigungswerte bei gewöhnungsbedürftiger Bedienung. Nun, die Amerikaner sind für vielerlei Späße zu haben.
Das Umdenken der fernöstlichen Softchopper-Kultur war offensichtlich - weg vom multikulturellen Reihenvierzylinder, hin zum innovativen, leistungsstarken Objekt der Begierde. Den Zenit bildete 1983 das 120 PS starke Beschleunigungsmonster Honda VF 1100 C. Parallel entwickelte Suzuki die GV 700 und GV 1200 Madura, gleichfalls mit V4-Konzept - beide wurden hierzulande ausschließlich über Grau-Importeure angeboten. Honda backte nach technischen Problemen mit den V4-Motoren indes wieder kleinere Brötchen und präsentierte 1984 die VT 500 C mit 52°-V2-Motor. Gegenüber der in die Jahre gekommen CX 500 C / CX 650 C machte die VT mit längs eingebautem V-Motor einen deutlich grazileren Eindruck. Dieser problemlose und zudem sehr handliche Softchopper stellte wieder die praktischen Vorteile der einfachen Beherrschbar- und Anspruchslosigkeit in den Vordergrund.
Mit klar gezeichneter Linie und dem insgesamt minimalistischen Gesamtkonzept setzt die Suzuki VS 750 Intruder im Jahr 1986 jene Akzente, die aus einem Softchopper einen charismatischen Low Rider machen. Sie war der erste konsequente Chopper aus Fernost und beendete damit die Ära der Softchopper. Als im Jahr darauf schließlich die 1400er Intruder präsentiert wird, stehen Freizeit-Rocker gänzlich Kopf: Ellenlange Zylinder, armdicke Krümmer und ein markanter, rund 90 kg schwerer Motor. Aber das ist, wie auch die Zeit der Cruiser, wieder eine andere Geschichte. ---
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