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aus bma 8/11 - Fahrbericht von Marcus Lacroix
In den Anfangsjahren wurden Trikes in der Regel von lärmenden, aber arg leistungsschwachen VW-Käfermotoren angetrieben. Dazu kamen Fahrwerke, die eigentlich eine Sonder-Fahrprüfung verlangt hätten. Wenig Führung durch schmale Asphalttrennscheiben und Springergabeln (wenn überhaupt) an der Front sowie erhöhte Kippneigung in Links- wie Rechtskurven ließen manches Trike im Acker (ver)enden. Um sich das anzutun, musste man wahrscheinlich wirklich etwas exzentrisch sein und der Ruf hat sich gehalten, wird von manchen Trikern sogar extra gepflegt.
Das Boom Mustang ST1 Thunderbird räumt schon auf dem Hof stehend mit einer Vielzahl von Vorurteilen auf. Der lange Radstand und der offenbar sehr tiefe Schwerpunkt versprechen eine stabile Straßenlage. Die Sitzfläche des Fahrers befindet sich deutlich unter Kniehöhe! Selbst der Beifahrer, der früher oft hoch über allem thronte, sitzt gut geschützt hinter dem Fahrer und kann trotzdem über ihn hinwegblicken (ok, abhängig vom Körperwuchs). Das 200er Vorderrad wird von einer sehr massiv wirkenden Gabel aus poliertem 60mm VA geführt. Die geschobene Schwinge kennt man aus dem Gespannbau. Ebenso fett wirkt der Lenker, der sich weit dem Fahrer entgegenreckt.
Das Boom Mustang gibt es in den Aufbau-Varianten Sport- und Touringback. Wir fuhren das Touringback, das über einen praktischen Kofferraum verfügt. Dort finden nicht nur locker acht Helme Platz (falls die bikenden Kumpels jammern), sondern auch die Clarion-Musikanlage. Gesteuert wird diese vom Fahrersitz aus, Boxen hat Dieter in Form von Halbkugeln vor dem Fahrer sowie Koffern vor der Hinterachse montiert. Dies entspricht nicht der Serie, wobei Trikes aber auch sehr häufig von ihren Eignern personalisiert werden - die Möglichkeiten stehen denen beim Motorrad in nichts nach. Wer während der Fahrt Musik genießen möchte, ist meiner Ansicht nach allerdings mit einem Lautsprechereinbausatz im Helm oder Ohrhöhrern besser bedient - beim Treff ist man indes mit der Soundbox Disco-König.
Auf den ersten Metern geht mir etwas die Muffe. Auch wenn sich dank Schutzbügel und ausladender Lichtanlage die Breite etwas besser einschätzen lässt, hinter einem rollen trotzdem 1,81 quer liegende Meter. Die Kupplung kommt spät, das Gas reagiert direkt. Vorsichtig fahre ich bei Dieter einmal die Einfahrt auf und ab, bevor ich mich in den Oldenburger Verkehr stürze. Gut das nach wenigen hundert Metern die Auffahrt zur Nordtangente kommt. Ab auf die Autobahn, erst mal ein wenig Fahrgefühl bekommen. Die Bedienung des Trikes hat man dann ziemlich schnell raus und schon geht es ab auf die Landstraße. Abseits des Verkehrs übe ich noch etwas das zügige Anfahren und Kuppeln und auch eine Gefahren-Vollbremsung sollte man antesten. Der Mustang zeigt sich völlig unbeeindruckt und hält stabil die Spur. Helferlein wie ABS und ESP sind allerdings nicht vorhanden.
Als Benzinverbrauch gibt Boom 6-7 Liter/100 km an. Gemessen haben wir 5,5 bis 7,1 Liter, wobei die zweite Tankfüllung auch den Autobahn-Vollgastest umfasste. Bei über 170 km/h nach Tacho liegt der Mustang immer noch satt auf der Fahrbahn. Dafür rappelt es extrem am Jethelm, was man aber kaum dem Trike anlasten kann. Die winddichte Biker-Brille gibt’s übrigens bei Viva Optik in Edewecht. Während der zwei Tage, die wir das Trike fahren durften ist mir übrigens nur ein einziger Triker entgegen gekommen. Da macht das Grüßen wieder richtig Freude! Die meisten Motorradfahrer haben mich ignoriert - egal, ich hatte trotzdem meinen Spaß!
Das Boom Mustang ST1 Kassenmodell kostet 23.900 Euro. Je nach Ausstattung kann man eine ganze Menge Euronen mehr anlegen. Wer in dieser Preisklasse Spaßfahrzeuge kauft, der wird sich daher sicher auch für die Boom Trikes X11/X12 mit 2-Liter Peugeot-Motor und 200 PS interessieren. Das drückt dann wahrhaft mächtig voran. Wer sich mit der PKW Heck-Optik des Trikes nicht anfreunden kann, findet bei Boom jetzt die Moto-Trikes, die auf Motorrädern basieren. Auch eine tolle Alternative, wenn man keinen Motorradführerschein hat! Und für alle Trikes gilt: mietet euch mal eins - das erweitert den Horizont und macht wirklich viel Spaß! ---
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