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| NSU 201 TS Bj. 1930 |
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aus bma 12/10 - Oldtimer von Konstantin Winkler
Deutschland war in jener Zeit gekennzeichnet durch wachsende politische Unsicherheit, hohe Arbeitslosigkeit sowie geringe Kaufkraft. Bei NSU in Neckarsulm versuchte man den rückläufigen Absatz von Motorrädern durch Schaffung neuer attraktiver und preiswerter Modelle zu beleben. Während man bei den Vorgängermodellen 201 R (die letzte NSU mit Riemenantrieb) und 201 T (mit Kette) den Tank unter dem oberen Rahmenrohr befestigte (Stecktank), so wurde bei der 201 TS ein tropfenförmiger Satteltank verwendet, der auf dem oberen Rahmenrohr saß. Statt in schwarz glänzte selbiger in rot-beiger Zweifarbenlackierung. Der Motor - ein Bild von einem Triebwerk, und ein anschauliches in Sachen Viertakt-Technik obendrein. Er ist ein alter Bekannter aus den beiden Vorgängermodellen und gleichzeitig das letzte wechselgesteuerte Aggregat der Schwaben. Zwei Ventile dirigieren den Gaswechsel. Während das Auslassventil seitengesteuert ist, sitzt die Kipphebeleinheit des kopfgesteuerten Einlassventils in einer Gewindeöffnung oben im Zylinderkopf. Der auf dem Motorgehäuse (hinter dem gusseisernen Zylinder) mittels Tombakband und Spannschraube befestigte BOSCH-Magnetzünder wird vom Motor unter Zwischenschaltung von Zahnrädern angetrieben und läuft mit der Geschwindigkeit der Steuernocken, also mit halber Kurbelwellenumdrehung. Zuverlässig und stromunabhängig sorgt er für einen kräftigen Zündfunken. Wenn es sein muss, zweitausendmal pro Minute.
Die damals als steuerfreies und auch führerscheinfreies Leichtkraftrad zu fahrende 200er NSU leistet 4,5 PS bei 4.000 Upm. Das war nicht gerade sensationell viel, aber es waren vor allem Zuverlässigkeit und Robustheit gefragt.
Der breite Lenker und die leicht vorgebeugte Sitzposition vermitteln einen guten Kontakt zum Motorrad. Des Fahrers Allerwertester sitzt bequem auf einem patentierten Wittkop-Elastic-Druckfedersattel. Zusammen mit der sauber ansprechenden, aber ungedämpften Trapezgabel ergibt sich ein entspanntes Fahrgefühl. Die beiden Halbnabenbremsen sorgen für der Leistung und dem Fahrzeuggewicht von 100 Kilogramm angemessene Verzögerungswerte. Wenn man mit einem solch alten Motorrad unterwegs ist, muss man besser aufpassen als bei einem modernen. Schon eine kleine Steigung ist eine Herausforderung, die sorgfältiges Management der bescheidenen Ressourcen Hubraum, Leistung, Drehzahl und Gänge braucht. Bisweilen tuckert die NSU dann mit solch atemberaubender Geschwindigkeit daher, dass selbst ein gehbehinderter Igel beim Überqueren der Straße eine reelle Überlebenschance hätte! Trotzdem macht das Fahren unendlich viel Spaß. Besonders, wenn man dieses Stück Technik-Kultur einer vergangenen Zeit bei Oldtimertreffen und Ausfahrten einem begeisterten Publikum präsentieren kann. ---
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