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aus bma 7/11 - Oldtimer Text: www.winni-scheibe.com
Bad Saarow, am idyllischem Scharmützelsee im östlichen Brandenburg gelegen, ist nicht nur ein beliebtes Naherhol- ungsgebiet für die Berliner. Ein reichhaltiges Freizeitangebot lässt bei Feriengästen kaum Langeweile aufkommen. Ideal für Wassersportler, Radler, Naturfreunde und Wanderer. Die Gegend ist aber auch zum Motorradfahren hervorragend geeignet, so jedenfalls preist Oldtimerfan Falko, Jahrgang 1960, seine Heimat und verrät: „Für mich gibt es kaum etwas Schöneres als Sonntagsmorgens mit Freunden eine Oldtimer-Ausfahrt zu unternehmen und dabei vom Alltagsstress abzuschalten.” Das war allerdings nicht immer so. Erst 1991, als Späteinsteiger, wie sich der bodenständige Handwerker selbst bezeichnet, kam er zu dem Oldtimer-Hobby: „Bei einer Altbausanierung entdeckte ich eine verwaiste Simson SR2. Als der Besitzer merkte, dass ich mich für das Moped interessierte, schenkte er sie mir. So bin ich zu meinem ersten Restaurationsobjekt gekommen. Das erforderliche Geschick für die Bastelei habe ich mir dann im Laufe der Zeit angeeignet. Nur wenn es um ganz knifflige Arbeiten geht, bringe ich Motorteile zu meinem Spezi Lothar Goldmann in Fürstenwalde.”
Es gibt Motorradmarken aus den 1920er und 1930er Jahren, einige davon existieren noch heute, die haben sich im erlauchten Kreis der Oldtimer-Experten fest ins Gedächtnis gebrannt. Denken wir nur an DKW, Wanderer, NSU, BMW und Zündapp. Oder die legendären Maschinen von der grünen Insel, allen vorweg Triumph, BSA, Norton, AJS und HRD-Vincent. Große Namen haben auch die italienischen Hersteller Benelli, Moto Guzzi und Gilera. Und dann sind da noch die amerikanischen Traditionsschmieden Harley-Davidson, Indian und Henderson. Um diese Maschinen ranken sich Mythen und Legenden, wer hier mitreden will, kennt sich in der Materie meist bestens aus. Und was ist mit Frankreich? Hier braucht man kaum jemanden nach irgendwelchen Marken zu fragen. Bei uns lässt sich über dieses Thema nur wenig deutschsprachige Literatur finden und bei Oldtimer-Treffen und Rallyes sieht man Krafträder von unserem westlichen Nachbarn so selten wie die englische Queen am Timmendorfer Strand. Dabei ist die französische Motorrad-Geschichte genauso spannend wie die englische, amerikanische oder deutsche. Als nach dem Ersten Weltkrieg die Massenmobilität via motorisierte Zweiräder so richtig in die Gänge kam, entstanden auch in Gallien fast an jeder Ecke Motorradfirmen. Meist waren es kleine Werkstätten oder mittelständische Betriebe, die als Konfektionäre in der damals noch jungen Fahrzeugindustrie ihr Glück versuchten. Das Angebot umfasste Leichtmotorräder, sowie Maschinen mit 350, 500, 600 und 1000 Kubikzentimeter Hubraum. Vertraute man aus Kostengründen in den unteren Klassen auf Zweitakt-Triebwerke, kamen bei den Motorrädern dagegen meist Viertaktaggregate mit sv- oder ohv-Steuerung zum Einsatz. Namhafte Motorenlieferanten waren Villiers, JAP, MAG, Chaise und Blackburne, bei den Schaltgetrieben hatte meist Burman die Nase vorne. Auch weitere Fahrzeugkomponenten wie etwa Gabeln, Sättel, Lenker und Armaturen sowie Lichtmaschine und Beleuchtungseinrichtung bezogen die Unternehmen von Zulieferfirmen aus dem In- und Ausland.
Besonders große Mühe gab man sich in den Entwicklungsabteilungen bei der Konstruktion von Rennmaschinen. Bei Peugeot entstand zum Beispiel bereits 1913 ein 500er Zweizylinder-Renntriebwerk mit zwei obenliegenden Nockenwellen und Vierventil-Zylinderkopf.
Im Land der ungezählten köstlichen Käsesorten hatte New-Map ein ausgezeichnetes Image. Was auf den ersten Blick jedoch überhaupt nicht zusammen passte: Ein französisches Produkt mit einem englischen Namen. Das Institut de Langue Française wachte nämlich darüber, dass die Muttersprache von nicht-französischen Einflüssen frei gehalten wurde. Hatte das System in diesem Fall versagt oder war es ein geschickter Schachzug? Schon in den frühen 1920er Jahren genossen nämlich englische Motorräder einen hervorragenden Ruf. Vielleicht wollte man mit dem anglizistischen Markennamen New-Map bewusst die Aufmerksamkeit von potentiellen Kunden wecken. Wie auch immer, ob Spekulation oder Zufall, New-Map war schon bald gut im Geschäft. Von 1926 über mehr als 30 Jahre lang baute New-Map in der Avenue Lacassagne 122-124 in Lyon an der Rhône als Konfektionär Motorräder von 175 ccm bis 500 ccm Hubraum. Die Motoren kamen von den etablierten Herstellern MAG, JAP, Blackburne, LMP, Anzani, Chaise und Zurcher, um hier nur die Wichtigsten zu nennen. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges hielt sich das Werk gemäß der wirtschaftlichen Situation im Lande mit preisgünstigen Mopeds und 125er Leichtmotorrädern, die überwiegend mit Zweitakt-Motoren von Ydral, AMC, Sachs und Mistral auf Trab gebracht wurden, über Wasser. 175er Modelle und eine 250er mit Opti Motor des deutschen Konstrukteurs Richard Küchen (!) rundeten das Angebot nach oben ab. 1958 ging nichts mehr, wie in ganz Europa lag auch in Frankreich das Zweiradgeschäft am Boden. Maschinen von New-Map wollte keiner mehr haben, das Werk schloss für immer die Tore. Buch-Tipp:
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