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| Kawasaki ZX-10R Modell 2011 |
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aus bma 12/11 - Fahrbericht Text: Vic Mackey
Eine Verkleidungsfront mit zwei schmalen und breiten Scheinwerfern, ein mächtiges Ram-Air-Maul und zwei weit in die Horizontale abgespreizte Rückspiegel. Form und Farbgebung erinnern mich schlagartig an den kleinen Jedi-Meister Yoda. 201 PS reine Motorleistung! 210 PS unter Staudruck! – und eine gespenstische Stimme flüstert zurück - „Ooooh – Du Angst haben wirst!” Angst, dieses Gefühl habe ich schon lange nicht mehr empfunden. Angst, sie lähmt einen, lässt dich erstarren, wie die Maus vor der Schlange. So kann man Motorrädern nicht begegnen, die vom reinen Leistungsgewicht noch vor wenigen Jahren der fahrerischen Weltelite vorbehalten waren. Es ist keine fünf Jahre her, da versteckte man sich noch zu spitzen Schreien hinter der Couch, wenn Rossi & Co. 200 Pferde über das Hinterrad entfahren sind. Heute schiebt man uns die Laserschwerter direkt in die Verkaufsräume.
Von der Papierform zum ersten Erleben dauert es eine gefühlte Ewigkeit, wenn man nicht zur motorjournalistischen Garde zählt, welche bereits im Dunkel der katarischen Wüstennacht eine Demonstration der „grünen Seite der Macht“ erhielt. Mein physischer Erstkontakt verläuft da anders. Auf verkehrsarmen Straßen des Kraichgaus führe ich das grüne Laserschwert zum ersten Mal ins Feld. Bereits beim Aufsitzen fällt die völlige Neukonstruktion befremdlich aus; der Vorderbau bis zum Fahrer wirkt lang, doch das Heck scheint unmittelbar hinter einem wegzubrechen. Die Lenkerstummel liegen tief, doch auf einer Linie mit der Popolinie, so dass der Druck auf den Handgelenken moderat ausfällt. Kröpfung und Stummelbreite liegen gut zur Hand. Kawasaki hat in Sachen Alltags-Qualitäten viel dazugelernt – Meister Yoda wäre zufrieden. Der Blick auf das neuartige Dash-Board (=Cockpit) gerichtet, kommt dem Blick in die Kommandozentrale eines Sternenjägers gleich. Digitale Informationsflut in zwei Stadien. Es gibt einen Road- und einen Racemodus. In letzterem dominiert die Ganganzeige gegenüber einer fast schon bedeutungslos kleinen Geschwindigkeitsanzeige. Drei Modi der Kampfstärke, frei kombinierbar mit drei Regelungsstufen der serienmäßigen Traktionskontrolle S-KTRC. Alles überstrahlt von einem neuartigen Drehzahlmesser in leuchtender Balkenoptik. Es gab schon viele Versuche, analoge Tourenzähler in Rente zu schicken, noch keiner war so gelungen wie dieser.
Das nunmehr Horizontal liegende Zentralfederbei, eine verlängerte Schwinge und alle schwerwiegenden Bauteile legen ihr Gewicht mehr auf’s Vorderrad. Die neue Zehner schafft ein Handling, welches nicht nur in ihrer Klasse Maßstäbe setzen dürfte. Motorleistung ist rundum genügend vorhanden, auch wenn in der Testgemeinde bislang von vergleichsweise deutlichen Abständen zum Benchmark der BMW zu lesen war. Sie bleiben ein Thema für’s Quartettspiel am Biker-Stammtisch – auf der Straße spielt das keine Rolle. Längst ist mir klar, dass der Weg nach Hockenheim führen muss. Ein Montagstraining bei Speer ist schon gebucht. Hier werde ich sie finden, muss nicht lange suchen. Das Fahrerlager ist mittlerweile voller imperial-weißblauer Truppen. Wird sich der grüne Japi-Ritter der Übermacht beugen müssen?
Traktionskontrolle - dieses Bauteil, das mich bereits an der Daseinsberechtigung von hartem Training und göttlichem Talent zweifeln ließ. Bis zur Testfahrt mit dem bayerischen Kilo-Bomber im spanischen Calafat war ich der Literleistung immer mit respektvoller Zurückhaltung begegnet. Mit dem regelnd-rettenden Eingreifen des elektronischen Schutzpatrons hatte ich viel hiervon abgelegt. Immer wieder spürbar, aber zuverlässig hatte die BMW jeglichen Anflug von Übermut eingefangen und kontrolliert freigesetzt. Die Kawasaki soll das nun noch besser machen. Dabei verzichtet sie gänzlich auf die bei der BMW zum Maßstab erhobenen Gyrosensoren, welche den Grad der Schräglage mit in ihre Bewertung einbezog.
Doch in den nächsten Runden bleibt der Aha-Effekt aus. Vielmehr fange ich an, an meiner Eignung als Tester zu zweifeln. Was habe ich hier verloren, wenn ich die Maschine noch nicht einmal in den Regelbereich der Traktionskontrolle fahren kann. Kein Zucken, kein Rucken, kein Eingreifen der Elektronik ist spürbar. Dabei vermisse ich keine Motorleistung. Mit Ausnahme der Spitzkehre, in der ich regelmäßig auf Freunde in bayerischen Sportfahrer- und Carbongewand abreißen lassen muss, kann ich es immer und überall mit den motorischen Vorzügen der Bayerin aufnehmen. Nachteile beim Beschleunigen - wenn überhaupt vorhanden - sind allenfalls dem länger übersetzten Getriebe und dem Fehlen eines Schaltassistenten geschuldet. Weshalb man ein solches Bauteil bei Kawasaki nur in Verbindung mit einer anderen Steuereinheit erhalten kann, verstehe wer will. Die ZX-10R ist also nicht zu schwach – bin ich es dann?!
Doch hier ist kein Platz für Mitgleid – beflügelt von diesem Ass im Ärmel stürze ich mich ins nächste Abenteuer, der Eroberung des Bremspunktes. Hier war ich immer wesentlich entschlosseneren Fahrern ein leichtes Fressen gewesen. Doch auch wenn man in Friedrichsdorf betont, dass es sich bei dem optional angebotenen, extrem leichten Bosch-ABS nicht um ein Racing-Bauteil handelt, lässt mich dieser Anker weit in die Bremszone vordringen und manchen Semi-pro an mir verzweifeln. „Das KIBS (Kawasaki Intelligent Braking System) ist KEIN Sicherheitssystem“, schreibe ich mit drei Ausrufezeichen in mein Tagebuch. „Kein schlaffes Assistenzsystem das dem Fahrer Verantwortung und (Brems-) Druck nimmt.“ Es lässt mich genauso bremsen, wie ich es schon immer wollte. Das Hinterrad wird leicht und tanzt über den Asphalt und leitet damit leicht übersteuernd den Angriff auf den Scheitelpunkt ein. Meister Yodas Rache ist gelungen! Die Machtverhältnisse im Supersport-Universum werden wieder etwas ausgeglichener und die Bayern werden ihre Vorherrschaft nicht manifestieren können. Fast ist mir, als ob mir beim Ausfahren aus dem badischen Motodrom zwei Herren in langen, Kapuzenmänteln hinterher blicken und auch wenn ich bereits einige Tage später das grüne Schwert wieder in der hessischen Waffenschmiede abliefern musste, so begleitete mich doch auf den folgenden Landstraßenkilometern eine vertraute Stimme, die mir stets versicherte „Die Macht wird mit dir sein, Vic – IMMER !!!“ ---
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