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aus bma 3/11 - Lesererfahrung von Matthias Witten
Da die Kawa abgemeldet war und angeblich nicht mehr ansprang, wurde ein Transport organisiert und zwei Wochen später stand sie bei mir im Garten. Ein trauriger Anblick. Überall hatte schon der Zahn der Zeit in Form von Rost und Aufblühungen an fast allen Teilen genagt. Die Grundsubstanz schien aber noch gut zu sein. Aber zuerst musste der Motor wieder zum Laufen gebracht werden. Ich füllte frisches Benzin ein, kontrollierte die Zündkerzen, Choke geschlossen, betätigte den Anlasser und nach kurzem Orgeln erwachte der Motor zu neuem Leben. Super! Nun wurde die Kawa auf die gut geschützte Terrasse gebracht und einer genaueren Inspektion unterzogen. Das Ergebnis zeigte, dass nur eine komplette Demontage und Aufarbeitung aller Teile Erfolg bringen würde.
Der Rahmen und alle dazugehörigen Teile wurden dann mit Kaltreiniger und Hochdruckreiniger bearbeitet, bis der Schmutz und das Fett der letzten 20 Jahre verschwunden waren. Auch der Motor wurde mit Bremsenreiniger und viel Geduld gesäubert. Der schwarze Motorlack hatte schon sehr gelitten und musste erneuert werden. Aber wie zwischen die Kühlrippen kommen? Da half mir ein Zufall. Als ich den Ventildeckel abnahm, um die Ventileinstellung zu prüfen und die Dichtung zu erneuern, ließen sich die Reste der alten Dichtung nicht entfernen, waren also festgebrannt. Ich versuchte es mit Dichtungsentferner von AS, was aber nicht viel brachte.
Die blanken Metallteile wurden danach abgeschraubt und mit dem Polierset von Louis mit viel Liebe und Geduld auf Hochglanz gebracht. Wieder an den Motor geschraubt, ergab das ein super Ergebnis, das den Motor wie neu aussehen ließ und außerdem äußerst preisgünstig war! Von diesem Erfolg angespornt, widmete ich mich nun dem Rahmen und allen anderen Teilen, die auch wieder in schwarz lackiert werden sollten. In einem Buch über Motorradrestaurierung hatte ich gelesen, dass man für kleinere Lackierungen auch ruhig die Lackierung per Spraydose anwenden könne, (Low-Budget!) darum entschied ich mich dafür. Als erstes wurden die großen Teile wie Rahmen, Gabel, Schwinge und Hauptständer mit Schmirgelpapier, Bohrmaschine, viel Muskelschmalz und die schwer zugänglichen Ecken wieder mit dem schon bekannten Dichtungsentferner bearbeitet, danach gereinigt und mit Grundierung aus der Spraydose lackiert. Nach eingehender Trocknung nahm ich dann die schwarze Lackierung in Angriff. Zuerst Telegabel, Hauptständer und Schwinge. Auch hier wurde wieder ein sehr gutes Ergebnis erzielt. Dann der Rahmen. Auch dieser ließ sich mit Spraydosen sehr gut lackieren, aber von wegen „Low-Budget“. Dose um Dose wurde verbraucht, um ein gutes Ergebnis zu erzielen, aber dann stand der Rahmen in seinem neuen Farbkleid in der Garage. Auch sämtliche Kleinteile wie Batteriekasten, Lampenhalter usw. wurden so behandelt.
Also auf ins Internet. Bei eBay konnte mir ein Farbhändler auf Anfrage per E-Mail melden, dass es eine Farbe bei Kawasaki gäbe, die Silver Metallic hieße und verfügbar wäre. Also sofort geordert und ein paar Tage später hatte ich sie, spritzfertig und mit allem Drum und Dran. Nun war wieder Schleifen angesagt. Auch diese Lackierung war recht befriedigend, obwohl sie in einer normalen Garage ohne Absaugung und nur mit einer einfachen Spritzpistole und einem kleinen Kompressor vorgenommen wurde, sozusagen nur mit „Bordmitteln“. Leider fehlten jetzt noch die roten und schwarzen Zierstreifen, aber auch hier wurde ich bei eBay fündig. Dort konnte man so genannte Viper Streifen, die eigentlich dazu benutzt werden, Autos ein sportlicheres Aussehen zu geben, erwerben. Die Streifen waren etwa 4 Meter lang, und das war auch gut so, da beim Zuschneiden und Aufkleben doch einige Pannen passierten. Aber es war ja genug Ersatz da. Nachdem nun die wichtigsten Teile vorbereitet waren, konnte endlich der Zusammenbau beginnen.
Nun ging der weitere Zusammenbau schnell voran, obwohl sämtliche Anbauteile noch gründlich gereinigt wurden und sämtliche Schrauben auf der Polierscheibe noch den letzten Glanz bekamen. Die Bremssättel wurden zerlegt und gereinigt, Stahlflex Bremsleitungen (eBay) verlegt und auch ein neuer Kettensatz (auch eBay) eingebaut. Auch bekam die Kawa neue Metzeler Lasertech Reifen, (nein, nicht über eBay) spendiert. Die Sitzbank wurde abgepolstert, da meine bessere Hälfte die Kawa auch fahren sollte. Nachdem jetzt wieder alles an seinem Platz war, konnte endlich die lang ersehnte Probefahrt stattfinden.
Fazit: Das Restaurieren eines derartigen Youngtimers macht unheimlichen Spaß, da man Dank überschaubarer Technik fast alles zerlegen, reparieren und wieder zusammenbauen kann. Allerdings beliefen sich die Kosten für Ersatzteile, Farbe und Kleinteile auf über 1000 Euro, so dass der eigentliche Verkaufswert schon bei weitem überschritten wurde. Solch eine Restaurierung ist also nur etwas für Enthusiasten oder unverbesserliche Schrauber, die ihre Freizeit lieber in der Garage, als vor der Glotze verbringen. Für mich war das jedenfalls der interessanteste Winter seit vielen Jahren und wenn ich Gelegenheit dazu bekommen würde, würde ich es immer wieder tun. Aber man kann ja nie wissen! ---
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