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| Kawasaki W 800 Modell 2011 |
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aus bma 7/11 - Fahrbericht von Marcus Lacroix
Erfolge anderer kann sich ein typischer Japaner wahrscheinlich nicht lange ansehen und beim Gang durch’s hauseigene Ersatzteillager müssen einem Kawa-Ingenieur oder Produktplaner schließlich ein paar W 650 Fragmente in die Hand gefallen sein. Ratzfatz waren die komplettiert und auf der Intermot 2010 in Köln präsentierte man stolz die Kawasaki W 800. Ein echter Blickfang, der angesichts der sonstigen Technik-Bolzerei bei Besuchern und Presse gut ankam. Eine W 800 fand dann den Weg in unserer Redaktions-Garage und begleitet uns seit mehr als 2900 Kilometern durch den Alltag.
Freude kommt hingegen beim Druck auf den E-Starter auf. Der Kickstarter der W 650 entfiel leider aufgrund der Einspritzelektronik. Der knapp langhubige Motor (77 mm Bohrung, 83 mm Hub) springt ohne Chokegefummel an und läuft sofort rund. Bei jedem Wetter und in jeder Umgebung. Das ist Vergasermotoren nicht immer vergönnt.
Interessierte Fragen provoziert immer wieder das senkrecht stehende Rohr auf der rechten Motorseite. Technikfans muss man nichts über eine Königswelle erzählen, die haben sofort klassische Jawa, Velocette oder Ducati vor Augen. Allen anderen zur Aufkärung: in dem Rohr läuft eine Welle, die über eine 90-Grad-Umlenkung eine einzelne obenliegende Nockenwelle antreibt. Früher sorgte die „KöWe” für hohe Drehzahlfestigkeit, heute übernimmt den Job für gewöhnlich eine Kette oder ein Zahnriemen. Wirklich Sinn macht die Königswelle an der eher niedrig drehenden Kawa somit nicht, aber sie schaut klasse aus, funktioniert auch langfristig einwandfrei, wie die W 650 bewiesen hat, begeistert die Fans und schadet somit als Alleinstellungsmerkmal im Verkauf nicht. Magere 48 PS produziert der hübsche Twin bei gesunden 6500 U/min. Von dem Papierwert sollte man sich keinesfalls abschrecken lassen, auch wenn die Triumph-Retros 20 PS mehr auf die Rolle drücken. Selbst die W 650 bot mit 50 PS zu ihrer Zeit etwas mehr. Im Alltag spielt die Spitzenleistung eine erstaunlich kleine Rolle, wie wir schnell - im wahrsten Wortsinn - erfahren sollten. Wer wirklich mehr Druck braucht, wendet sich an Spezialisten wie Ulf Penner (www.tuning-fibel.de)
Was folgt ist herrlich unverfälschter Fahrspaß, der mich sehr an meine Motorrad-Anfangszeit erinnert. Mein damaliger Twin, eine Honda CB 400 T (nicht N!), hatte nur halb so viel Hubraum und nur 27 PS, aber in der Erinnerung fuhr sie sich genau so. Fahrwind pur im Gesicht, das Gefühl der Freiheit und Grenzenlosigkeit. Mal ehrlich: viele von uns jagen doch genau diesem Gefühl von damals hinterher, fahren die verschiedensten Bikes und sind doch nicht wirklich zufrieden. Und da die Erinnerung so manches verklärt, erzeugt selbst das Originalmodell von damals nicht das gleiche Gefühl, an das man sich erinnert. Wer versteht was ich meine, sollte unbedingt mal verschiedene Retro-Bikes ausprobieren.
Wer die Kawasaki W 800 etwas sportlicher um die Ecken werfen möchte, wird in drei Punkten sehr schnell ein paar Grenzen aufgezeigt bekommen. Glücklicherweise gibt es hier, wie auch bei der Einspritz-Blende, wirkungsvolle Abhilfe im Zubehörhandel. Dabei ist es nicht die sehr klassisch wirkende Serienbereifung Dunlop TT 100, die Anlass zur Kritik gibt, denn die funktioniert auf der W 800 tadellos. Der schmale 100er auf dem 19-Zoll Vorderrad und der 130er 18-Zöller hinten kleben bis die Fußrasten kratzen. Das geschieht für meinen Geschmack allerdings deutlich zu früh! Die Angstnippel sind recht lang und wenn die weggeschliffen oder abgeschraubt sind, geht’s schon um einiges schräger um’s Eck. Noch angenehmer und sportlicher fährt sich die W mit einer Fußrastenanlage von LSL. Rechts herum kratzt bisher nichts, links nur der Hauptständer.
Sportlicheren Fahrern wird auch die Bremsanlage der W 800 nicht gerecht. Während die Trommel am Hinterrad einen guten Job macht, sorgt die einzelne Scheibe am Vorderrad beim ambitionierten Ankern für einen echten Schreckmoment. Zwar verbesserte sich die Bremsleistung auf den ersten 1000 Kilometern, für echten Brems-Genuss sorgen aber erst die Firmen Stahl-Flex und Lucas.
Was hier möglicherweise als etwas harte Kritik rüber kommt, ist relativ zu sehen. Während mir unsere modifizierte W nun viel mehr Spaß macht als das Seriengerät, war ein Kollege auch vorher schon mit Fahr- und Bremsleistungen zufrieden. Alles also eine Frage der Ansprüche, wobei Triumph die Latte hier höher auflegt. Zu einem modernen Renner wird die W auch mit allen Modifikationen nicht - und das ist gut so! Es gibt kein ABS und keine Traktionskontrolle, Kilometerstand, Tageskilometer und Uhrzeit reichen als zusätzliche Info im Cockpit und auch sonst beschränkt sich die Ausstattung auf das Nötigste. Danke Kawasaki, wir freuen uns auf viele weitere lustvolle Kilometer mit der W 800. Wer ein Herz für klassische Bikes hat, sollte mal eine Probefahrt mit der W 800 bei seinem Kawasaki-Vertragshändler vereinbaren. Preislich liegt die Kawasaki W 800 mit 8190 Euro UVP 800 Euro unter der vergleichbaren Triumph T 100, die ebenfalls Speichenräder hat. Das Bonneville Kassenmodell mit Gussfelgen ist 100 Euro günstiger als die W, eine Harley 883 Sportster 100 Euro teurer. Eine kultige Enfield gibt’s schon für 4950 Euro (alle zzgl. Nebenkosten). Eine Königswelle hat allerdings nur die Kawasaki... Zubehör für die W 800 haben wir <hier> ausprobiert. Natürlich gibt es im Welt-Weiten-Web auch für die Kawasaki W 650 / W 800 ein empfehlenswertes Forum. ---
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