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Fahrberichte Kawasaki Kawasaki Estrella 250
Kawasaki Estrella 250 Drucken E-Mail

aus bma 02/08

von Jan-Dieter Oeljeschläger

Kawasaki Estrela 250 Die Erinnerung war sofort da, als ich die Umrisse des Motorrades vor der hellen Wand in der dunklen Garage sah. Im ersten Augenblick schien es tatsächlich so wie eine NSU Max aus den Fünfziger Jahren auszusehen. Der schräge 250er Einzylindermotor und der Schwingsattel. Es war 1970 mein erstes zugelassenes Motorrad.
Doch was dort stand war ein modernes Motorrad im Retrostyle. Eine Kawasaki Estrella 250, wie sie in den Jahren 1994 bis ca. 1999 gebaut wurde. Ich fühlte mich zurück versetzt in alte Zeiten, die ganze nostalgische Linienführung war herrlich anzuschauen.
Die Estrella, übersetzt „Sternchen”, sollte verkauft werden, weil der Besitzer der kleinen Motorradwerkstatt in der Nachbarschaft, wo sie jahrelang stand, sein Geschäft aufgeben wollte. Ich hatte in der Vergangenheit bereits zwei alte Honda CB 550 in sehr desolatem Zustand von ihm erworben und diese mühsam restauriert. Der Verkäufer war sehr angetan von dem Endergebnis und meinte nun, daß die kleine Kawasaki genau meinem Faible für Youngtimer entsprechen würde. Ich wollte mir eigentlich keine weitere Marke ins Haus holen, jedenfalls keine Restaurierungsobjekte, doch die Kawasaki Estrella war sehr „aufdringlich”.
Spätestens als ich den Tachostand sah und den Verkaufspreis hörte, gab es kein Halten mehr. Das „Sternchen” wurde von den beiden Vorbesitzern tatsächlich nur 245 km bewegt. Wie zwei Vorbesitzern nur diese wenigen Kilometer zusammen bekommen haben, ist mir unbegreiflich.
Der Händler war froh, daß ich schlußendlich doch einverstanden war und die Estrella unter meine Fittiche nahm. Das Motorrad war 2002 abgemeldet worden und stand seitdem in einer dunklen Ecke eines Lagerraums. Ans Licht gezerrt, mußten dem völlig verstaubten Krad als Erstes die platten Reifen aufgepumpt werden.
Kawsaki Estrella Im strömenden Regen schob ich das leichte Motorrad die paar hundert Meter zu mir nach Hause. Die dicken Regentropfen wuschen unterwegs schon die Staubschicht vom Tank und ich ahnte, was ich da für ein Schnäppchen gemacht hatte.
Nachdem ich daheim den Tank vom Dreck befreit und ihn mit Lackpolitur behandelt hatte, kam ein wunderschönes Emblem zutage. Nach weiteren zwei Tagen intensiver Wäsche, Flugrostbeseitigung und Politur aller Chrom- und Lackteile stand das „Sternchen” da wie aus dem Laden. Durch die lange Standzeit hatte sich der Rost im Tank ausgebreitet. Eine chemische Keule mit anschließender Versiegelung sorgte für Abhilfe. Ich wechselte das Motoröl und die Bremsflüssigkeiten der beiden Scheibenbremsanlagen. Diese passen nach meinem Empfinden nicht ganz zum nostalgischen Look der Estrella, aber funktionell sind sie allemal. Es wurde noch eine neue Batterie beschafft und damit war die Elektrik funktionsbereit, aber der Motor sprang nicht an.
Das Ventilspiel stimmte, und es konnte nur am Vergaser liegen. Also wurde der Vergaser zerlegt, und die dicken Ablagerungen bei einem Kawasakihändler im Ultraschallbad entfernt.
Nach der Montage des Vergasers lief der kleine Eintopf sofort nach dem Start gleichmäßig im Standgas. Die erste Fahrt zeigte, daß die 17 Pferdestärken nicht gerade die Heringe vom Teller reißen, 100 ccm mehr wären nicht schlecht, aber auch so ist das Fahren ein Genuß.
Beim Stöbern im Internet entdeckte ich die sehr gut gemachte Website (www.bj250.de), in der es alle technische Daten, Informationen zu den verschiedenen Modellen, Maßnahmen zur möglichen Leistungssteigerung auf 21 PS und ein Forum gibt.
Die mit ihrem Gesamtgewicht von nur ca. 150 kg wunderbar leichte und handlich zu fahrende Kawasaki, ist vielleicht auch ein „Frauenmotorrad”, wenn es so etwas überhaupt gibt. Eine moderate Sitzhöhe und das hübsche gesamte Erscheinungsbild sprechen an. Meine Frau hat auch schon eine Sitzprobe gemacht, und ich glaube, das Sternchen wird einen festen Platz in unserer Garage haben.

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