Fahrberichte CZ CZ 250 Typ 471

CZ 250 Typ 471

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aus bma 09/04

von Andy Schwietzer

Sportliche Zweitakttwins mit 250 Kubikzentimetern Hubraum hatten in den frühen siebziger Jahren Hochkonjunktur. Auch der Traditionshersteller CZ aus der CSSR wollte (oder sollte?) sich ein Stück vom Erfolg sichern und baute von 1974 bis zum Ende des Jahrzehnts solch ein Motorrad. Wir fuhren die rare Viertellitermaschine.

CZ 250 Typ 471 Die Tachonadel zittert zwischen 90 und 110 km/h. Ich peile die langgezogene Linkskurve an, ziehe am rechten Lenkerende und lege die CZ in Schräglage. Oohh, zwei rundliche Verwerfungen, die dem Gemeinschaftswerk aus hochsommerlicher Hitze und schwerbeladenen Zwillingsrädern entstammen, kreuzen meine Bahn. Donnerwetter, lässig schluckt die CZ die Wellen und Kanten. Eine Suzuki GT 250 hätte mit dem Lenker gestoßen, die RD 250 von Yamaha mit dem Lenker gewackelt. Der böhmische Twin zeigt wie sauber bei ihm Geometrie, Federung und Dämpfung aufeinander abgestimmt sind. Noch dazu legt der durch die Graugußzylinder mechanisch leise Motor im dreistelligen Bereich für eine 250er flott an Tempo zu. Auf die versprochene Anzeige „140 km/h” warte ich rund einen Vollgaskilometer. Wenn alle CZ 250 so gelaufen wären, wäre der Preisbrecher der 250er Twin-Klasse vielleicht erfolgreicher gewesen. Doch bei den serienmäßigen Exemplaren ließ die Tachonadel in ihrem Vorwärtsdrang schon bei 120 km/h nach. Immerhin hat Siegfried Naumann die CZ „Typ 471” - wie sie prosaisch heißt - mit „scharfen” Zylindern, entsprechenden Kolben und großen Zylinderdeckeln in der Leistung um rund ein Viertel angehoben. Im Flachland stört da nicht einmal das antiquierte Vierganggetriebe den Vorwärtsdrang.

 

Die Konkurrenten waren damals schon mit fünf oder sechs Gängen dabei. Am Vierganggetriebe und an der Bauart der Kraftübertragung zeigt sich schon, daß die CZ ihre Wurzeln bei den eher braven Jawa-Twins hatte. Jawa und CZ stammten beide aus der Tschechoslowakei und waren im Rahmen der volkseigenen Fahrzeugproduktion, des seit 1948 sozialistischen Landes, eng miteinander verflochten. Das hieß, die Selbstständigkeit von CZ stand auf dem Papier.
CZ 250 Typ 471 CZ, 1918 in westböhmischen Strakonice als Teil des großen Skoda-Konzerns gegründet um die junge Republik mit Waffen zu versorgen, baute seit 1932 auch Motorräder, ausnahmslos Zweitakter. Einige Jahre nach dem Krieg ging es mit selbst entwickelten Dreigang-Zweitaktern, die 125 oder 150 ccm Hubraum aufwiesen, weiter. Doch ab 1955 baute CZ die kleinen einzylindrigen Jawa-Modelle mit vier Gängen und Hinterradschwinge. Erst 1961 kehrte das CZ-Logo wieder auf die Tanks der Maschinen zurück, die nach wie vor hubraumkleine Jawas waren. Noch dazu baute die Waffenschmiede aus Strakonice für Jawa das komplette 350er Twin-Triebwerk und lieferte es nach Prag und Tynec, wo die 350er Jawa zu Hunderttausenden entstand. Allein rund 60.000 dieser Maschinen gingen jedes Jahr in die Sowjetunion.
Die Modernisierung des weltweit erfolgreichen Twins erfolgte zaghaft, da ja der Absatz im sozialistischen Wirtschaftsgebiet und in Schwellenländern wie Indien, Ägypten oder Kuba gesichert war. 1967 enstand bei Jawa ein neues Fahrgestell für den Twin. Das aus geprägten und verschweißten Blechteilen gebaute Chassis mit dem markanten Büffeltank und der kurzen Telegabel, die nur eine Gabelbrücke unterhalb des Lenkkopfs besaß, eignete sich gut für preiswerte Fertigung in hohen Stückzahlen. Klug gelöst war der verstellbare Lenker, doch die „UR” getaufte Baureihe fiel aufgrund ihres unorthodoxen Aussehens im Export durch und erhielt den Spitznamen „Bison”. Nun war im Zuge dieser Entwicklung auch eine 250er Variante des altbewährten Twins entstanden, die den 1946 entstandenen 250er Single ablöste.
CZ Cockpit Bis 1973 gab es die UR-Modelle nur für den tschechischen Markt, bis die Triebwerke - mit Jawa-Logo auf den Seitendeckeln - in neu gezeichneten, klassischen Rohrrahmenfahrgestellen als CZ 471 (250 ccm) und 472 (350 ccm) fröhliche Urständ feierten. Die Prototypen wurden 1974 vorgestellt und ab 1975 an die Kunden geliefert. Daß CZ auf dem Tank prangte, dürfte ein Verdienst des international erfolgreichen CZ-Engagements im Moto Cross-Sport gewesen sein. Die Tschechen gehörten seit den sechziger Jahren zu den großen Favoriten im Kampf um die Moto Cross-Weltmeisterschaft.
Hierzulande gab es die neue CZ 250 „Sport” von 1976 bis 1978 nur in der BRD, die DDR importierte seit 1967 keine Motorräder mehr. Ein Drittel günstiger als japanischen Twins punktete die im Vergleich zu den „Japanern” mit 17 PS schwach motorisierte 250er in erster Linie durch ihren Preis und konkurrierte eher mit der ähnlich preiswerten einzylindrigen MZ TS 250 bzw. TS 250/1. Ebenfalls in Großbritannien, Österreich und der Schweiz war die CZ 250 Sport zu haben, doch die Verkäufe hielten sich auch dort in Grenzen. Mochte in der bescheidenen Warenwelt des Comecon-Gebiets die CZ noch als sportliche Maschine durchgehen, war sie hier ein Fall für Sparer mit unerschütterlichem Selbstbewußt- sein. Doch diese Kundschaft zog oft die MZ vor.
Da halfen auch die Versuche nichts, die 471 durch sportliches Zubehör wie Flachlenker, Sporttank, Gussräder und eine Höckerbank auf Café-Racer zu trimmen. Es blieb Kennern und Könnern vorbehalten, die sportlichen Seiten herauszuarbeiten oder durch beherzten Fahrstil zu unterstreichen. Wem das gelang, der besaß ein gut liegendes Motorrad, dessen Talente von der Umwelt unterschätzt wurden. Tolle Fahreigenschaften sind hier kein hohles Versprechen. Nicht ganz so präzise wie die Benelli 250 2-C, aber handlicher und bequemer als jede Japanerin aus dem Laden läßt sich die CZ durch den Verkehr steuern. Gabel und Federbeine verdienen Lob und die Sitzposition ist für große und kleine Piloten vorzüglich. Hier merkt man die Erfahrungen der CZ-Techniker, die in Jahrzehnten im Gelände und auf miserablen Straßen gewonnen wurden. Noch dazu ist die CZ ausgesprochen startfreudig und läßt sich geschmeidig fahren. Der Motor summt dumpf vor sich hin und entläßt aus den großen Töpfen einen Ton, der niemals provoziert. Auch bleibt der einzelne Jikov-Vergaser ein sparsamer Futterverwerter.
CZ 250 Typ 471 Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. Typisch Jawa und bei sportlicher Fahrweise ein Hindernis ist der kombinierte Kick- und Schalthebel. Heruntergeklappt als Schalthebel rückt er beim Schalten auch die Kupplung aus, was für sanfte und rasche Schaltvorgänge viel Fußspitzengefühl erfordert. Dieser einfache Mechanismus war Jawa-Tradition, wurde aber nicht so geschätzt, wie es seine Väter wohl erwartet hatten. Die Sechs-Volt-Lima ist auch nicht der Hit, die kleinen Trommelbremsen sind besser als sie aussehen.
Mit der Serienleistung kein Ausbund an Temperament, verleihen erst die in Kleinserie produzierten Sport-Zylinder der CZ 250 Sport Fahrleistungen, die zu ihrem Namen passen. Im kurvigen Geläuf der Mittelgebirge ist man mit der Maschine Naumanns auch heute noch gut bei der Musik, doch die giftige Rasanz einer 1975er RD 250 mit 32 DIN-PS wird nicht erreicht. Insofern bleibt auch die getrimmte CZ 250 Sport ein typisches Motorrad aus der CSSR. Komfortabel, wartungsarm, handlich und übersichtlich in der Technik verliert es in der Glamour- und Rasanzwertung gegen die Twins aus dem Fernen Osten. So blieb dem milden Langhuber hier eine Statistenrolle vorbehalten, die die in rot oder grün lieferbare Maschine noch heute zum unbekannten Exoten macht.


Technische Daten CZ 471 „250 Sport” und CZ 472 „350 Sport” , Bauzeit 1975 - 1979

Motor: Fahrtwindgekühlter Zweizylinder-Zweitakt-Twin mit Dreikanal-Umkehrspülung und Flachkolben, Hubraum 246 ccm/343 ccm, Bohrung (mm) 52/58, Hub (mm) 58/64, Verdichtung 9,3/9,2, PS/min 17/5.250, 21/5.000, ca. 25 PS bei 6.000 als Supersportausführung, Vergaser Jikov 24 mm (26 mm), Batteriespulenzündung mit zwei Kontakten und zwei Spulen, Schmierung: Mischung 1:25, Starter: Schalthebel hochgeklappt als Kickstarter

Antrieb: Primärtrieb Kette, Mehrscheibennasskupplung, Viergang-Klauengetriebe, Kupplungsbetätigung auch durch Fußschalthebel, teilgekapselte Rollenkette zum Hinterrad

Fahrwerk: Einrohrrahmen, vorne hydraulisch gedämpfte Teleskopgabel, hinten Schwinge mit zwei Federbeinen und einstellbarer Federbasis, Bremse vorn Duplexleichtmetallvollnabe 160 mm, Bremse hinten Leichtmetallvollnabe 160 mm, Räder Drahtspeichenräder mit verchromten Stahlfelgen, Leichtmetallgussräder als Extra, Bereifung vorn 3.00 - 18 TT, Bereifung hinten 3.25 - 18 TT

Gewicht: fahrfertig 142 (144) kg

Tankinhalt: 13 Liter, Sporttank 9 Liter

Verbrauch: 4 bis 6 Liter Normalbenzin auf 100 km

Preis 1977: 2500 DM (250 ccm)

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